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Tatjana Heid
»Ohne Frauen ist kein Staat zu machen«

100 JAHRE Zum Jubiläum zeigt der Deutsche Bundestag eine Ausstellung in vier Themenkomplexen

Sie lächelt nicht. Ihre Haare sind aus dem Gesicht gekämmt, das schwarze Kleid reicht bis zu den Knöcheln. Die Frau ist eine Kämpferin. Barfuß steht sie da, mit beiden Händen reckt sie eine Fahne in die Luft. Der rote Stoff umweht sie wie ein Schleier. "Heraus mit dem Frauenwahlrecht", steht unter dem Bild geschrieben. In Rot. Dann die Ankündigung: Frauentag, 8. März 1914. Versammlung um 3 Uhr, öffentlich.

Es ist das wohl bekannteste deutsche Plakat anlässlich des Internationalen Frauentages, drei Jahre, nachdem dieser eingeführt wurde. Mehr als eine Million Frauen gingen damals, im März 1911, im Deutschen Reich, in Dänemark, Österreich, den USA und der Schweiz auf die Straße. Sie kämpften für Gleichberechtigung, Wahlrecht, politische Beteiligung. Der Deutsche Bundestag würdigt das hundertjährige Jubiläum des Weltfrauentages mit einer großen Ausstellung. Auf Bildern, Holzschnitten und Plakaten wird die Frauenbewegung der vergangenen zwei Jahrhunderte dargestellt. Das Plakat von 1914 ist Teil davon.

Frauen im Umbruch

"Die Ausstellung zeigt, dass sich hartnäckiger politischer Einsatz lohnt und dass Frauen im Parlament dabei viel bewegt haben", sagt Bundestagsvizepräsidentin Gerda Hasselfeldt (CSU), die die Ausstellung eröffnen wird. Diese ist in vier Themenkomplexe unterteilt: die Lebens- und Arbeitswelt der Frauen im 19. Jahrhundert, Mütter des Grundgesetzes, politische Plakate und eine Chronik zu 100 Jahren Internationaler Frauentag. Außerdem erzählen zwölf Politikerinnen von ihren persönlichen Erfahrungen, ihrer Einschätzung der Vergangenheit, ihren Hoffnungen für die Zukunft. Unter ihnen Familienministerin Kristina Schröder (CDU) und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), sowie die Abgeordneten Dorothee Bär (CSU), Dagmar Ziegler (SPD), Sibylle Laurischk (FDP), Dagmar Enkelmann (Die Linke) und Ekin Deligöz (Bündnis 90/Die Grünen).

Der erste Teil der Ausstellung beschreibt den Beginn der Frauenbewegung in den 1840er Jahren. Holzschnitte zeigen, wie sich ihr Bild in Gesellschaft und Presse veränderte, wie sich Frauen in der Arbeiterbewegung engagierten oder versuchten, über Vereine am gesellschaftlichen und politischen Geschehen teilzunehmen.

Der zweite Teil springt 100 Jahre weiter - in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Parlamentarische Rat darüber diskutierte, die Gleichberechtigung ins Grundgesetz aufzunehmen. "Die Mütter des Grundgesetzes" heißt dieser Teil der Ausstellung, den das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beigesteuert hat. Vier Frauen stehen im Mittelpunkt - die beiden Sozialdemokratinnen Elisabeth Selbert und Frieda Nadig, Helene Wessel vom Zentrum und die Christdemokratin Helene Weber -, die neben 61 Männern im Parlamentarischen Rat 1948 das Grundgesetz entwarfen. "Frauen und Männer sind gleichberechtigt", so lautet Artikel 3, Absatz 2 des Grundgesetzes. Im Rat stieß er anfangs auf Widerstand, erst nach heftigsten Diskussionen setzte sich die Formulierung durch. Zeitleisten, Bilder und Texte informieren über Leben und Wirken der Frauen, die dazu entscheidend beigetragen haben.

Der dritte Teil ist eine Plakatausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung. Titel: "Frauen im Umbruch". Gezeigt werden politische Plakate aus drei Wendepunkten deutscher (Frauen-)Geschichte: Die Zeit um 1918/19, als die Weimarer Republik gegründet und das Frauenwahlrecht eingeführt wurde, die Jahre 1945/46, als der Krieg gerade zu Ende war und die Gleichberechtigung kurz vor der Aufnahme in die Verfassung stand, und schließlich die Jahre 1989/90, als Deutschland Wiedervereinigung feierte und die Rollenbilder von Ost und West aufeinandertrafen. Unter anderem wird ein Plakat der Deutschnationalen Volkspartei zu sehen sein, die 1919 "Deutsche Frauen wacht auf!" forderte. Aus dem Jahr 1990 gibt es ein CDU-Plakat mit schlichter Botschaft: "Ohne Frauen ist kein Staat zu machen."

Mit Plakaten geht es auch im vierten Teil weiter, wenn die Geschichte des Internationalen Frauentages chronologisch dargestellt wird. Zu sehen sein werden Darstellungen von 1914 bis heute; sie kommen aus aller Welt, etwa aus Russland, Italien und der Türkei, außerdem vom Europäischen Parlament und den Vereinten Nationen.

Einzigartige Kombination

Die Ausstellung wird am 17. März um 11 Uhr im Foyer des Paul-Löbe-Hauses eröffnet. Die Integration von Ausstellungen des Familienministeriums sowie der Friedrich-Ebert-Stiftung in eine vom Bundestag konzipierte Ausstellung ist neu und bislang einzigartig. Neben Hasselfeldt nimmt unter anderem auch Hermann Kues (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär beim Familienministerium, an der Eröffnung teil. Die Ausstellung läuft bis zum 14. April.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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