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VOR 30 JAHREN ...
Benjamin Stahl
Rücktritt für Parteiposten

21. März 1981: Weizsäckers Abschied

Wenn ein Politiker sein Amt niederlegt, kann das viele Gründe haben: ein schlechtes Wahlergebnis, persönliche Entscheidungen, neue politische Herausforderungen. Ein Beispiel für letzteres ist Richard von Weizsäcker (CDU). Der trat am 21. März 1981 nach zweijähriger Amtszeit als Bundestagsvizepräsident zurück. Auch sein Bundestagsmandat - seit 1969 war er für die Union im Parlament - legte er nieder. Der Grund: Er übernahm den Landesvorsitz der Berliner CDU und trat wenige Wochen später als Spitzenkandidat seiner Partei bei der vorgezogenen Abgeordnetenhauswahl an. Zum zweiten Mal nach 1979, diesmal jedoch mit Erfolg: Zwar verpasste die CDU die absolute Mehrheit, Weizsäcker wurde dennoch zum Regierenden Bürgermeister von West-Berlin gewählt. Er war damit der dritte, der sich im sogenannten "Drei-Bürgermeister-Jahr" 1981 als Stadtoberhaupt versuchte. Im Januar hatte bereits der Sozialdemokrat Dietrich Stobbe seinen Hut genommen, auf ihn folgte Hans-Jochen Vogel (ebenfalls SPD).

Eine Abkehr von der Bundespolitik war der Posten des Bürgermeisters von Berlin für den heute 90-jährigen Weizsäcker jedoch nicht. Er verstand das Amt als "nationale Aufgabe". Und obwohl er im Dezember 1981 als CDU-Landesvorsitzender bestätigt wurde und sich als Berlins Bürgermeister hohes Ansehen erwarb, währte Weizsäckers Ausflug in die Kommunalpolitik nicht lange. Nur 32 Monate saß er auf dem Chefsessel von West-Berlin, bevor er 1984 auf die bundespolitische Bühne zurückkehrte und der sechste Bundespräsident Deutschlands wurde. Zehn Jahre lang blieb Weizsäcker der erste Mann im Staat.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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