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ORTSTERMIN: BEI DER PLATZMEISTERIN BRIGITTE RUBBEL
Sandra Schmid
»Man nennt uns auch die stillen Helfer im Hintergrund«

Seit dem 1. Februar 2011 haben Brigitte Rubbel und Angela Merkel eines gemeinsam. Seit diesem Tag hat die blonde 51-Jährige genauso wie die Bundeskanzlerin einen Job, den es nur einmal in Deutschland gibt, und der zum allerersten Mal überhaupt mit einer Frau besetzt wurde. Rubbel ist Platzmeisterin und damit oberste Saaldienerin im Bundestag. Sie steht an der Spitze einer einstigen Männerdomäne: dem Plenar- und Ausschussassistenzdienst, wie der Saaldienst im deutschen Parlament offiziell heißt.

"Man nennt uns auch die stillen Helfer im Hintergrund", sagt Frau Rubbel über sich und die anderen 65 Plenarassistenten. Unauffällig, dafür aber effizient sorgen sie dafür, dass in Plenum und Ausschüssen alles seinen geregelten Gang geht. So bereiten sie etwa den Plenarsaal für die Sitzungen vor, legen Drucksachen aus und betreuen die Besucher auf den Tribünen. Sie stellen zudem sicher, dass auch wirklich nur diejenigen den Plenarsaal betreten, die es dürfen: Abgeordnete, Mitglieder der Bundesregierung oder des Bundesrates. Saaldiener sind stets zu Diensten. Dazu gehört auch, jedem Redner ein frisches Glas Wasser zu bringen und das Rednerpult auf die richtige Höhe einzustellen.

Das ist der Moment, wenn sie in ihrem nachtblauen Frack mit Weste (die Saaldienerinnen tragen ein Frackkostüm ohne Weste) für die Öffentlichkeit überhaupt erst richtig sichtbar werde. "Dabei ist das nur ein kleiner Teil unserer Aufgaben", sagt Brigitte Rubbel. Die Chefin der Saaldiener weiß, wie unverzichtbar ihr Service für die Volksvertreter ist. Schließlich erledigen die Plenarassistenten Botengänge für sie oder überbringen Nachrichten von dringenden Anrufen in ihren Büros. "Die Mitarbeiter der Abgeordneten dürfen nicht ins Plenum, deshalb sind wir während der Sitzungen für die Abgeordneten die einzige Verbindung nach draußen", erklärt sie. Daran habe sich auch im Zeitalter von Mobiltelefon und iPad nichts geändert.

Saaldiener sind der gute Geist der Abgeordneten, gerade auch in Notsituationen. Ob ein abgerissener Knopf, Kopfschmerzen oder eine Laufmasche in der Strumpfhose, in ihrer mehr als zehnjährigen Zeit als Saaldienerin hat Frau Rubbel schon etliche dieser kleinen Probleme gelöst - ganz diskret. In Zukunft wird sie weniger Zeit dafür haben, denn ihr Arbeitsplatz als Platzmeisterin ist nicht mehr im Plenum, sondern am Meldetisch vor dem Plenarsaal. "Das ist der zentrale Knotenpunkt für alle eingehende Post, Faxe und Anrufe." Von hier aus koordiniert sie auch den Einsatz der Plenarassistenten. Für die gebürtige Wiesbadenerin, die 1999 in Bonn ihre Tätigkeit in der Bundestagsverwaltung begann, ist die Arbeit der Platzmeisterin nicht neu. Bereits seit 2004 vertrat Brigitte Rubbel ihren Vorgänger Antonius Müller bei Abwesenheit. Dazu gehörte auch die ehrenvolle Aufgabe, den Bundestagspräsidenten zu Beginn jeder Plenarsitzung an seinen Platz zu geleiten.

Eines allerdings wird sich in Zukunft ändern: ihre Uniform. Für die allererste Platzmeisterin in der Geschichte des Bundestages wird eigens ein neues Frackkostüm entworfen. Eines, zu dem Frau Rubbel eine weiße Weste tragen kann: Das Zeichen der Platzmeister.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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