Inhalt

Kurz rezensiert
Alexander Weinlein
Kurz notiert

Die Lektüre von Achim Wohlgethans "Schwarzbuch Bundeswehr" darf der Leser nach dem Vorwort eigentlich wieder beenden - der Buchautor ruft selbst dazu auf: "Glauben Sie nur wenig von dem, was die Medien melden", warnt er. Gleiches gelte für alle Äußerungen der politisch oder militärisch Verantwortlichen und die Urteile von Experten. Das mag man als vernünftigen Rat werten, sich stets einen kritischen Geist zu bewahren. Aber es stellt sich zugleich die Frage, warum der Leser dann Achim Wohlgethan glauben sollte. Der Autor selbst verweist auf seine zwölf Jahre als Zeitsoldat bei den Fallschirmjägern und seine Einsätze am Hindukusch, über die er bereits die Bücher "Endstation Kabul" und "Operation Kundus" veröffentlicht hat. Und er verweist darauf, dass er das Wohl seiner ehemaligen Kameraden im Sinn hat. Das mag so sein, aber Politiker und hohe Militärs beteuern dies auch stets. Doch die verfolgen nach Wohlgethan entweder parteipolitische oder Karriere-Interessen und hängen an den Fäden der Rüstungslobby.

Die Botschaft seines Buches ist erschreckend, simpel und durchaus überzeugend vorgetragen: Die Bundeswehr ist nicht für ihre Einsätze im Ausland gerüstet. Weder die Ausbildung noch das Material entsprechen den Aufgaben und Gefahren, mit denen die Truppe beispielsweise in Afghanistan konfrontiert ist. Für diese Behauptung hat Wohlgethan eine Menge Belege und Quellen zusammengetragen: So zitiert er ausführlichst aus dem jährlichen Bericht des Wehrbeauftragten des Bundestages. Der ist ein guter Kronzeuge, wenn es um die Mängel in den Streitkräften geht. Aber auch er gehört jener Zunft an, denen nach Wohlgethan mit Misstrauen zu begegnen ist. Dies ist nicht der einzige Widerspruch des Buches.

Das "Schwarzbuch Bundeswehr" sei durchaus zur Lektüre empfohlen - zumindest dann, wenn man sich nicht am durchgängig sarkastischen Unterton stört. In jedem Fall aber gilt auch hier Wohlgethans Mahnung. Der Leser sollte sich seinen kritischen Geist bewahren. Er wird ihn brauchen.

Achim Wohlgethan:

Schwarzbuch Bundeswehr. Überfordert, demoralisiert, im Stich gelassen.

C. Bertelsmann, München 2011; 286 S., 19,99 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag