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Kurz rezensiert
Aschot Manutscharjan
Kurz notiert

Seit Beginn der Menschheitsgeschichte diente die Kunst den Herrschenden und der Politik. Während die kunsthistorische Forschung die zeitgenössischen Motive und ihre Symbolik immer schon in ihrem jeweiligen historisch-politischen Kontext analysierte, galt dies nicht für die Geschichtswissenschaft. Historiker und Politikwissen- schaftler beschäftigten sich allenfalls fragmentarisch mit der politischen Ikonografie. Erinnert sei hier nur an die politischen Plakate und Karikaturen im vorrevolutionären Frankreich oder an die monumentale Architektur der totalitären Regime in den 1920er und 1930er Jahren in Europa.

In dem nun vorliegenden herausragenden Handbuch wird zum ersten Mal die politische Ikonografie systematisch interdisziplinär erforscht. Dank der Unterstützung der Gerda Henkel Stiftung konnten nahezu hundert Autoren 140 Stichworte auswählen, um eine Gesamtdarstellung der politischen Ikonografie von der Antike bis zur Gegenwart zu veröffentlichen.

Die politische Ikonografie hat sich seit den Lebzeiten Machiavellis nicht verändert: Bei den öffentlichen und halböffentlichen ästhetischen Darbietungen handelt es sich stets um gelenkte Inszenierungen, um Scheinproduktionen und mediale Veranstaltungen, die sich auf spezifische Weise an unterschiedliche Adressaten richten. Die Herausgeber Martin Warnke, Hendrik Ziegler und Uwe Fleckner betonen, dass die ausgewählten Kunstobjekte nicht darauf abzielen, authentische und eindeutige Abbildungen politischer Sachverhalte darzustellen. Vielmehr seien sie das Produkt einer interessengeleiteten Strategie, deren Ergebnisse vor allem vom Willen des Auftraggebers und von den Erwartungen eines zu überzeugenden Publikums geprägt seien.

Die ausgewählten 140 Begriffe, darunter "Abdankung", "Feindbild", "Feldherr", "Gemeinwohl", "Grabmal", "Minderheiten", "Tugend", "Toleranz" oder die "Zwei Körper des Königs" werden in ihrer zeitlichen Entwicklung präsentiert. Leider wurde der gegenwärtigen Verwendung der Begriffe zu wenig Platz eingeräumt.

Martin Warnke, Hendrik Ziegler, Uwe Fleckner (Hg.): Handbuch der politischen Ikonographie.

Verlag C.H. Beck, München 2011; 1.137 S., 98 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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