Inhalt

Parlamentarisches Profil
Tatjana Heid
Weltoffene Katholikin: Monika Grütters

Das Internet hält viele Informationen über Monika Grütters bereit: Bundestagsabgeordnete, stellvertretende Vorsitzende der Berliner CDU, Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf, Katholikin. Es lässt sich ihre Meinung nachlesen, dass es für eine Stadt wie Berlin verheerend wäre, würde die vermutete Nähe des neuen Bischofs Rainer Woelki zum Opus Dei offizielle Bistumspolitik. Und dann ist da ein Bericht über ihre Unterschrift unter eine halbseitige Anzeige in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", die Papst Benedikt XVI. als einen der weltweit bedeutendsten Intellektuellen unserer Zeit würdigt. Wie würde Monika Grütters also die Christin Monika Grütters beschreiben? Sie lacht. "Ich bin eine aktive Katholikin, die durch ihre Bindung an die katholische Kirche ein fröhlicherer und zuversichtlicherer Mensch ist", sagt sie dann.

Tatsächlich zieht sich das Katholischsein wie ein roter Faden durch ihr Leben: aufgewachsen im westfälischen Münster ("Da sind fast alle katholisch"), gläubiges Elternhaus, der Bruder für die Jesuiten im Sudan tätig, Abitur an einem bischöflichen Mädchengymnasium, schließlich, mit 18 Jahren, Eintritt in die CDU - in die Partei, die das Wort "christlich" im Namen trägt. Das C in CDU sei Teil ihrer Entscheidungsfindung, sagt sie. Und der Grund, warum sie Mitglied der CDU und keiner anderen Partei ist. Die Menschenrechte, die Soziale Marktwirtschaft, das Prinzip "Der Stärkere hilft dem Schwächeren" - das ist für Grütters Ausdruck eines christlichen Weltbildes. "Und all das sind Fundamente der CDU-Programmatik", sagt sie.

Und doch zog es die 49-Jährige nach ihrem Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und Politikwissenschaften nach Berlin - in die "katholische Diaspora", wie sie es nennt. Ausgerechnet in das Bundesland, in dem der Anteil der katholischen Bevölkerung mit derzeit etwa neun Prozent nahezu verschwindend gering ist. Das prägt. "In Berlin habe ich Priester und Ordensleute getroffen, die mir eine undogmatische, gelassene und weltoffene Haltung vorgelebt haben", sagt sie. Eine Haltung, die sie sich zu eigen gemacht hat. Die katholische Kirche muss sich öffnen, findet sie. Öffnen für einen toleranten Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, für mehr Ökumene und für das Diakonat der Frau. "Die Weihe ist eine Gnadengabe", sagt sie. "Und ich glaube nicht, dass Gott diese nach Geschlecht verteilt." Sie hofft, dass sich reformerische Trends in der katholischen Kirche verstärken und nicht allein die traditionalistischen. Denn: Durch Zuwanderung und Durchmischung werde die Gesellschaft immer bunter - ein nicht mehr umkehrbarer Prozess - und darauf müssten gerade die großen Kirchen Antworten geben, findet sie. Berlin sei ein gutes Beispiel für die Gesellschaft der Zukunft. Als Grütters hier zum ersten Mal zur Wahl antrat, sei ihr geraten worden, ihren Glauben im Kandidatenprospekt zu verschweigen - in Berlin sei der eher abschreckend, hieß es. Monika Grütters hat den Rat nicht befolgt. "Ich wäre doch dann nicht mehr authentisch", findet sie. Authentisch ist auch ihre Bewunderung für den Papst. "Ich habe Unglaubliches, Erhellendes aus der Feder Benedikts gelesen."

Im Bundestag ist Monika Grütters Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien, Mitglied im Bildungsausschuss und Obfrau im Unterausschuss "Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik". Sie arbeitet als Honorarprofessorin an der Freien Universität in Berlin und ist Mitglied in zahlreichen Vereinen, Verbänden und Stiftungen. Bleibt da noch Freizeit? Ja, sagt sie. Allerdings: Die Übergänge zwischen Beruf und Privat seien fließend. Neben Laufen und Bergwandern genieße sie in der Freizeit das, was auch im Beruf von ihr erwartet werde: Bücher lesen, ins Theater gehen, Ausstellungen eröffnen. "Ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht", sagt sie. Ein Blick in ihr Büro bestätigt das: Auf dem Schreibtisch stapeln sich Zeitungen, in den Regalen stehen Bücher, sortiert nach Kulturpolitik, Biographien, Medien. Den weitaus größten Teil machen Kunstbücher aus. An den Wänden hängen Bilder, Kunst, die sie sich selbst gekauft hat. "Kultur", sagt Grütters, "ist Ausdruck von Humanität und diese wiederum ist verwurzelt im christlichen Weltbild."

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag