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Stephan Altemeier
Kurz notiert

Schuldenschnitt, Gläubigerbeteiligung und gehebelte Rettungsschirme: Griechenlands Staatsfinanzen beschäftigen seit geraumer Zeit Politiker und Finanzmärkte. In der öffentlichen Diskussion werden die Griechen in Deutschland dann schon mal zu faulen Schmarotzern und deutsche Politiker in Griechenland zu Nazis. Ressentiments helfen jedoch nicht dabei, die gegenwärtige Krise zu lösen - die Ursachen der Krise zu verstehen, eventuell schon.

Dieser Meinung ist zumindest der Journalist Wassilis Aswestopoulos, der sich in seinem Buch "Griechenland - eine europäische Tragödie" mit den Gründen für die aktuelle Krise auseinandersetzt. Für ihn steht fest, dass die Finanzkrise nur Auslöser der Probleme war, nicht aber deren Ursache. Diese sieht er viel mehr im politischen System Griechenlands selbst angelegt. Denn das zeichne sich vor allem durch Bürokratie, Vetternwirtschaft, aber auch Korruption aus.

Für diese Fehlentwicklungen gibt es nach Awestopoulos jedoch Gründe, die er in die Geschichte Griechenlands nach dem Zweiten Weltkrieg einbettet. So werden die aktuellen Defizite des Landes mit den politischen Entwicklungen während der 70er und 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Verbindung gebracht. Insgesamt sei das Wirtschaftssystem in den Jahren nach der Militärdiktatur (1967-74) zu sehr auf den Konsum und nicht auf die Produktion ausgerichtet worden - die Griechen verdienten im Vergleich zu ihrer Produktivität zu gut. Wohlstand und Konsum waren über Kredite und Subventionen erkauft. Aber eine solche Politik des Wohlstands durch Konsum sei eben auch Antwort auf die starke Ungleichverteilung des Reichtums durch die Wirtschaftspolitik der Militärdiktatur, lautet die Argumentation des Autors.

Das Buch ist vor allem als allgemeinverständlicher Crashkurs in griechischer Zeitgeschichte und als Einstieg in die griechische Schuldenproblematik jenseits von Ressentiments durchaus lesenswert. Wissenschaftliche Geschichtschreibung sollte jedoch nicht erwartet werden.

Wassilis Aswestopoulos

Griechenland - eine europäische Tragödie

ambition

240 S. 24,99 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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