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Parlamentarisches Profil
Hans Krump
Bissiger Finanzpolitiker: Klaus-Peter Flosbach

Kurs halten. Das ist eine Devise, die Klaus-Peter Flosbach, finanzpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, immer wieder gerne ausgibt. So auch vergangene Woche bei den abschließenden Haushaltsberatungen. Mussten die geplanten 26 Milliarden Euro Neuverschuldung beim Etat 2012 sein? Konnte die bürgerliche Koalition nicht mehr sparen? "Wir müssen sehen, woher wir kommen", mahnt der 59-Jährige. Vor zwei Jahren habe es in den Stürmen der Finanzkrise noch eine Neuverschuldung von rund 80 Milliarden Euro gegeben. Flosbach: "Wir sind auf einem dosierten Weg, bis 2016 die Neuverschuldung nahe Null zu senken." Durch zu viel Sparen dürfe man aber die Wirtschaft vor dem ökonomisch schwierigeren Jahr 2012 nicht zu stark bremsen.

Der Finanzfachmann ist ganz in seinem Element. Die Wahl zum finanzpolitischen Fraktionssprecher im Januar 2011 war ein Karrieresprung für den Rheinländer. Flosbach wurde Nachfolger von Leo Dautzenberg, der in die Wirtschaft ging. Der CDU-Mann aus Nordrhein-Westfalen musste aus regionalen Proporzgründen durch einen Nachfolger aus dem gleichen Land ersetzt werden. Zum Beispiel durch Klaus-Peter Flosbach. Als dann die Fraktionsspitze Ende 2010 tatsächlich bei ihm anfragte, nahm der CDU-Abgeordnete den Vorschlag ("eine Herausforderung") sofort an. Damit verbunden war die Leitung der wichtigen Arbeitsgruppe Finanzen in der Unions-Fraktion.

Der Posten des Fraktionssprechers für Finanzen bietet weitere Karrierechancen. Flosbach wehrt ab: "Ich bin sehr froh mit dieser Aufgabe. Sie macht mir viel Spaß." Die neue Aufgabe passt zum bisherigen beruflichen und politischen Leben des Klaus-Peter Flosbach. Seit seinem Studium der Betriebswirtschaften an der Universität Köln, das er 1979 als Diplom-Kaufmann abschloss, beschäftigt er sich mit Finanz- und Steuerfragen. Nach der Unizeit arbeitete Flosbach zunächst 13 Jahre in Finanzfirmen, dann sieben Jahre als selbstständiger Finanzberater.

Seit 2002 sitzt der CDU-Vorsitzende des Oberbergischen Kreises im Bundestag. Von Beginn an war er Mitglied im einflussreichen Finanzausschuss, dessen stellvertretender Vorsitzender er nach der Wahl 2009 wurde. Hier fällt der sonst so umgängliche Flosbach immer wieder durch bissige Attacken gegen die Opposition auf. War Flosbach bis Jahresbeginn eher Fachleuten als Spezialist im Bundestag für Detailfragen zu Versicherungen oder betrieblicher Altersversorgung bekannt, ist er seit Februar in der Fraktion nun für das gesamte breite Themenspektrum der Steuer- und Finanzmarktpolitik zuständig.

Dazu gehört auch alles, was sich um den Euro dreht. Hier vertritt Flosbach trotz Murrens im Wahlvolk eisern die Position von Fraktion und Partei, immer größere Rettungsschirme für kriselnde Euro-Staaten zu spannen. Für Flosbach ist der Euro "politisch unverzichtbar" für Europas Position in einer globalisierten Welt, wie er kürzlich in einem Zeitungsbeitrag schrieb. Kritikern wie dem Fraktionskollegen Bosbach aus seiner Heimatregion ("wir kennen uns schon seit fast 40 Jahren") wirft er das Fehlen von Alternativen vor: "Ich muss immer die Szenarien sehen, wenn der Euro auseinanderbrechen sollte." Das hätte für Flosbach "katastrophale wirtschaftliche Folgen".

Wie zufrieden ist der Finanzpolitiker Flosbach mit der Steuerpolitik der schwarz-gelben Koalition? Er verweist auf die kommende Einkommensteuerreform und vor allem auf das Bürgerentlastungs- und Wachstumsbeschleunigungsgesetz 2010, was den Menschen 20 Milliarden Euro zusätzlich gebracht habe. Wegen der Krisenmaßnahmen müssten jetzt aber "Stabilität und Etatkonsolidierung als Überschrift über allem stehen", sagt Flosbach. Am vergangenen Freitag vertrat er die Koalitionspositionen in der Schlussrunde der Etatwoche.

Daheim im 17-Häuser-Ortsteil Waldbröl-Puhl bei seiner Ehefrau (die drei Söhne sind schon aus dem Haus) entspannt sich Flosbach vom Politikerstress gerne beim Gitarrenspielen. Klassische und kölsche Weihnachtslieder stehen demnächst auf seinem Programm. Finanzexperten können auch ganz musikalisch sein, ist Flosbachs Botschaft.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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