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ORTSTERMIN: BEIM RED-HAND-DAY IM BUNDESTAG
Götz Hausding
»Wenn ein Kind Soldat wird, ist das Leben ruiniert«

Politisch gesehen verbindet die FDP-Abgeordnete Nicole Bracht-Bendt mit der Farbe Rot nicht viel. Am vergangenen Mittwoch zeigte die Vorsitzende der Kinderkommission des Bundestages (Kiko) dennoch stolz ihre rot gefärbte Hand. Sie hatte ihren Handabdruck ebenso wie 168 Abgeordnete aller Fraktionen, Mitarbeiter und Gäste des Bundestages auf einem weißen Blatt Papier hinterlassen. Und damit deutlich gemacht: Ich bin gegen den Einsatz von Kindersoldaten. Nach Angaben des Deutschen Bündnisses Kindersoldaten werden rund 250.000 Kinder als Soldaten eingesetzt - trotz des vor zehn Jahren in Kraft getretenen Vertrags zum Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten. Der rote Handabdruck gilt seither als Zeichen des Protestes gegen den Einsatz von Kindersoldaten.

Dass sich die Kinderkommission so stark für das Thema engagiert, hat auch viel mit den Schülern des Johann-Rist-Gymnasiums in Wedel bei Hamburg zu tun. Seit einigen Jahren werden dort möglichst viele rote Handabdrücke gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten gesammelt. Über den Pinneberger SPD-Abgeordneten Ernst-Dieter Rossmann landete das Thema bei der Kiko. Zum Red-Hand-Day 2012 im Bundestag wurden schließlich auch die Schüler eingeladen, die eifrig mit wasserlöslicher Farbe Hände markierten und so gut wie jeden Vorbeigehenden an ihrem Stand im Paul-Löbe-Haus für ihr Vorhaben begeisterten.

Entsprechend zufrieden zeigte sich die Kiko-Vorsitzende. "Das ist eine sehr gelungene Veranstaltung", urteilte Nicole Bracht-Bendt. Es sei toll, dass sich junge Menschen für so ein Thema engagieren. "Uns Parlamentariern sollte das ein Anstoß sein, die Belange der Kinder häufiger zu berücksichtigen", sagte sie.

Dafür tritt auch der Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses, Tom Koenigs (Grüne), ein. Er forderte anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Vertrags zum Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten eine Anpassung der deutschen Aufenthalts- und Asylverfahrensgesetze. Die Rekrutierung als Kindersoldat müsse als Asylgrund anerkannt und das Kindeswohl als vorrangiges Prinzip im Asyl- und Aufenthaltsrecht verankert werden, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Deutschen Bündnis Kindersoldaten. Bei dieser Gelegenheit erläuterte York Frerks, Sprecher der Schüler des Johann-Rist-Gymnasiums, wie er und seine Mitschüler sich dem Thema genähert haben. "In den letzten Wochen haben wir unsere Großeltern interviewt, die teils als Minderjährige im Zweiten Weltkrieg an die Front geschickt wurden. Alle sagen, dass sie ihre Kriegserlebnisse nicht vergessen können", erzählte der Siebtklässler. "Wenn ein Kind in unserem Alter Soldat wird, ist sein ganzes Leben ruiniert", fügte er hinzu. Von den Politikern erwartet er, dass sie sich mit ehrlicher Überzeugung für die Kinder auf der ganzen Welt einsetzen.

Aus Sicht der Kiko-Vorsitzenden Bracht-Bendt zeigt die große Beteiligung der Abgeordneten, dass ihnen der Protest ein persönliches Anliegen ist. Sie plädiert dafür, die gesammelten Handabdrücke gebündelt als Protestnote an die Vereinten Nationen zu schicken.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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