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Susanne Kailitz
Kurz notiert

Es gibt wohl kaum eine Berufsgruppe, die der ehemalige Verteidigungsminister KarlTheodor zu Guttenberg (CSU) nachhaltiger gegen sich aufgebracht hat als die der Hochschullehrer. Eine zusammengeklaute Dissertation und der Versuch, diesen Diebstahl geistigen Eigentums als kleine Schlamperei zu entschuldigen, die einem als stark beschäftigtem Politiker und jungem Familienvater quasi unbemerkt unterlaufen könne, wurden nicht so leicht verziehen. Der beste Beweis dafür ist der von Oliver Lepsius und Reinhart Meyer-Kalkus herausgegebene Band "Inszenierung als Beruf".

In dem Sammelband haben 15 Medien-, Sprach- und Kulturwissenschaftler, Historiker, Soziologen und Juristen den Aufstieg und Fall Guttenberg untersucht und sind der Frage nachgegangen, wie Inszenierung und Imagebildung eine rasante politische Karriere befördern konnten. Es ist eine fulminante Abrechnung mit der ehemals wohl größten deutschen Polit-Hoffnung; eine giftige Offenlegung verlogener Rhetorik und des Versuchs eines Ministers, sich selbst zur Ikone zu stilisieren.

Am stärksten ist dabei das Kapitel "Stil und Rhetorik" geraten: Wenn der Doktorand Sebastian Diziol zu Guttenbergs Abschiedsrede Satz für Satz analysiert, bleibt kaum etwas übrig von den so wohlklingenden Satzhülsen. Und wie der Journalist Peter von Becker nachweist, dass der Minister, der so gern über seine Werte und Überzeugungen sprach, auf ein ominöses "Es" verwies, sobald es um die plagiierten Stellen in seiner Dissertation ging, ist schlicht unterhaltsam zu lesen.

Für den Herausgeber und Bayreuther Rechtswissenschaftler Lepsius steht der Fall Guttenberg auch "für einen fortgesetzten Irrtum, der Collage für Wissenschaft hielt, Form für Politik und der die subjektive Wahrnehmung zum objektiven Maßstab erklärte". Guttenberg werde auch zur Fallstudie für das politische System insgesamt - vielleicht müsse man die Funktionsbedingungen und Rationalitätskriterien politischen Handelns künftig anders erklären und falschen Erwartungen entgegen treten.

Inszenierung als Beruf. Der Fall Guttenberg.

Suhrkamp Verlag, Berlin 2011; 216 S., 10 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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