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Parlamentarisches Profil
Hans Krump
Der Mathematiker: Joachim Spatz

Eine Hängematte gibt es nicht für Griechenland." Der sonst so gelassene Unterfranke Joachim Spatz, neuer europapolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, wirkt jetzt ganz energisch. Mit der großen Mehrheit des Bundestags und auch der Liberalen im Plenum hat er am vergangenen Montag für das zweite Rettungspaket für Athen gestimmt. "Es geht um Solidarität und Solidität", sagt Spatz und betont besonders die Solidität: Die Griechen bekämen nur Geld, wenn sie sich schmerzhaften Reformen und Sparmaßnahmen unterzögen. "Die vereinbarten Strukturreformen sind nötig, damit Griechenland wieder wettbewerbsfähig wird." Alles müsse aber auch von der "griechischen Bevölkerung nachhaltig mitgetragen werden", mahnt er. Und wenn nicht? "Dann müssen wir uns über Alternativen unterhalten", droht Spatz. Klar, dass er dies nicht näher erläutern kann. Ob Euro-Austritt oder Stopp der EU-Hilfen für Athen - das sind Themen für die "große Politik" und nicht ausgerechnet für den Europasprecher der FDP-Fraktion.

Der Liberale ist wie die meisten Parteifreunde wenig begeistert über die Euro-Rettungspolitik mit immer höheren Milliarden-Garantien samt neu aufgelegten Griechenland-Hilfen. Er hält aber diese Politik frei nach Winston Churchill für die "am wenigsten schlimme" aller möglichen Alternativen. "Wir behalten die Dinge so eher unter Kontrolle", sagt Spatz. Er verweist auf die Pleite der mittelgroßen Lehman-Brothers-Bank mit gigantischen negativen Folgen für die Weltwirtschaft. Der FDP-Mann aus Würzburg trägt hier eisern den Kurs der Koalition mit, trotz Murrens in der Bevölkerung und gerade auch bei der FDP-Klientel. Könnten die Liberalen nicht mit einer kritischeren Haltung zur Euro-Rettung aus ihrem Tief in der Wählergunst herauskommen? Spatz ist hier "gegen kurzfristige populistische Erfolge": Eine Politik der Verantwortung für Gesamteuropa sei auch langfristig die beste Politik für seine Partei, meint er.

Joachim Spatz sitzt seit 2009 im Bundestag und ist ordentliches Mitglied im Europa- und im Verteidigungsausschuss. Er folgte Anfang Februar als Europasprecher seiner Fraktion dem Parteifreund Michael Link, der Staatsminister im Auswärtigen Amt wurde. Worauf kommt es ihm als europapolitischer Sprecher an? "Wir müssen überall in Europa wegkommen von der Verschuldung und hin zu neuer Solidität bei den Staatsfinanzen", fordert Spatz. Nicht nur bei Griechenland. Ein weiteres großes Thema ist für ihn die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Großraums Europa in den nächsten Jahrzehnten - gegen aufstrebende Großräume wie China, Indien, das südliche Afrika oder das südliche Amerika um Brasilien.

Mit 23 Jahren trat Spatz als junger Mathematik- und Informatikstudent an der Universität Würzburg der FDP bei. "Ich war schon in der Schule politisch interessiert und fühlte mich vom liberalen Gedankengut angezogen", sagt er. Doch zunächst dachte Spatz an eine akademische Karriere: Nach dem Studienabschluss als Diplom-Mathematiker war er wissenschaftlicher Assistent an der Universität Würzburg. Der Einzug in den bayerischen Landtag 1990 unterbrach diesen Lebensweg. Nach Ende des Mandats 1994 ging Spatz dann in die Wirtschaft und machte sich später als Unternehmensberater selbstständig. Seit 1996 sitzt er für die FDP im Würzburger Stadtrat: "Die stete Rückbindung an die Basis ist für einen Bundestagsabgeordneten sehr hilfreich."

Der unterfränkische FDP-Bezirkschef macht in seiner Heimat vieles im Schulterschluss mit Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Er gilt als einer der Stützen der bayerischen FDP-Landeschefin, die dem linken Flügel der Partei zugerechnet wird. Joachim Spatz will sich aber nicht irgendwelchen Lagern zuordnen lassen. "Liberalismus ist eine Weltanschauung, die Basis für viele politische Themen sein kann", sagt er.

Der Vorzeigemann der Unterfranken-FDP gilt als Arbeitstier. Sein Hobby ist Bücherlesen. In Lektüren wie über die "Geometrie der Raumzeit" mit komplizierten Differentialgleichungen findet der verheiratete Vater eines Sohnes höchste Entspannung: "Dann bin ich weit weg von der Tagespolitik", sagt er.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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