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ORTSTERMIN: BEI DER BEGRÜSSUNG DER BUNDESTAGS-STIPENDIATEN
Götz Hausding
»Unglaublich, wie kreativ die Stipendiaten sind«

In Polen gibt es die besten Piroggen. Estland ist etwas anderes als Island. Die Nationalhymne von Bosnien-Herzegowina hat noch keinen Text und in Kasachstan schenkt man gerne Blumen. Das sind nur ein paar der Erkenntnisse, die man während der offiziellen Begrüßung der Teilnehmer am Internationalen Parlaments-Stipendium (IPS) 2012 am vergangenen Donnerstag im Lichthof der Technischen Universität (TU) Berlin erlangen konnte. 115 Stipendiaten aus 28 Ländern präsentieren dabei ihre Regionen. Eine Veranstaltung, die seit Jahren Tradition ist.

Es wurde getanzt, gesungen, rezitiert und Theater gespielt. Mit kleinen einstudierten Stücken wurden die Besonderheiten des eigenen Landes dargestellt und viel geografische Aufbauarbeit geleistet. So etwa bei Israel, wo der Stipen- diat Or Rothstein als menschliche Landkarte herhalten musste, anhand derer seine Landsfrau Naomi Mittelmann zur Erheiterung des Auditoriums erläuterte, wo die Golanhöhen (am Kopf) und wo Eilat (an den Füßen) liegen. In Sachen Volkstanz wiederum war Bulgarien ganz weit vorn. Albanien glänzte mit einer gedichteten Vorstellung. Beim Singen versuchten sich fast alle - die einen mehr, die anderen weniger erfolgreich. Der Moderator der Eröffnungsveranstaltung, der SPD-Abgeordnete Bernd Scheelen, kam denn auch nicht umhin, immer wieder festzustellen: "Unglaublich wie kreativ die Stipendiaten sind."

Dass sie nicht nur kreativ sind, sondern zur "politischen Elite" ihres Landes gehören, machte zu Beginn der Veranstaltung Wolfgang Boernsen (CDU), der allgemein als Vater und Mitbegründer des IPS-Programms gilt, deutlich. Daraus ergebe sich aber auch die Verpflichtung, "sich engagiert einzubringen", betonte er.

TU-Präsident Jörg Steinbach begrüßte im Namen der drei Berliner Universitäten, die ebenfalls am IPS-Programm beteiligt sind, die Stipendiaten und lud sie ein, am Unibetrieb teilzunehmen. Zugleich äußerte er die Hoffnung, die Stipendiaten mögen in ihrer Berliner Zeit viele persönliche Freundschaften finden. Er wolle nicht pathetisch klingen, aber solche Freundschaften seien ein "Garant für den Frieden", sagte er, denn: "Demjenigen, mit dem ich befreundet bin, haue ich hinterher nicht auf den Kopf." Zugleich, meinte Steinbach, könnten die IPS-Teilnehmer von den hier aufgebauten Netzwerken "ein Leben lang profitieren".

Bis zum 26. Juli werden die jungen Leute in den Büros "ihrer" Bundestagsabgeordneten arbeiten, die Wahlkreise besuchen oder an Veranstaltungen der politischen Stiftungen teilnehmen. "Lernen sie unsere parlamentarische Demokratie und die Arbeitsweise unserer Parlamentarier kennen", forderte Bundestagsvizepräsident Eduard Oswald (CSU) die Stipendiaten auf. Mit den erlangten Erkenntnissen und den aufgebauten Netzwerken sollen sich die Stipendiaten nach den Vorstellungen Oswalds später "in die jungen Demokratien ihren Heimatländern einbringen, parlamentarische Aufbauprozesse unterstützen und junge Menschen für Demokratie und Toleranz begeistern". Damit der Lernprozess im Bundestag erfolgreich ist, hatte Oswald noch einen Tipp parat: "Fragen Sie besser einmal mehr als einmal zu wenig."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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