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VOR 30 JAHREN ...
Benjamin Stahl
Machtwechsel in Bonn

1. Oktober 1982: Helmut Kohl wird Kanzler

Einige Anwesende waren von einem "Glücksgefühl" beseelt oder "sehr bewegt" von dem "bedeutenden Moment". Vergangene Woche besuchte Helmut Kohl (CDU) erstmals seit zehn Jahren die Unions-Fraktion im Bundestag, die den Pfälzer für seine 16-jährige Kanzlerschaft ehrte. Diese begann vor 30 Jahren, als am 1. Oktober 1982 Helmut Schmidt (SPD) durch ein konstruktives Misstrauensvotum gestürzt und Kohl sein Nachfolger wurde.

Seit Mitte 1981 rumorte es in der rot-gelben Koalition. Es herrschte Uneinigkeit über den Nato-Doppelbeschluss und darüber, wie man die schlechte wirtschaftliche Lage in den Griff bekommen könne. Im Februar 1982 gewann Schmidt zwar seine Vertrauensfrage, doch die Risse in der Koalition wurden immer tiefer. Das sogenannte "Wende-Papier", in dem Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff (FDP) im September Reformen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik vorschlug, die den sozialdemokratischen Kurs in Frage stellten, fasste die SPD als ersten Schritt zum Koalitionsbruch auf. Wenige Tage später kündigte Schmidt die Koalition auf, woraufhin die FDP-Minister zurücktraten. Liberale und Union planten, eine neue Regierung zu bilden.

Die Debatte im Bundestag am 1. Oktober 1982 dauerte über sechs Stunden. In seiner Rede kritisierte Schmidt unter anderem den FDP-Vorsitzenden Hans-Dietrich Genscher, der sich "zielstrebig und schrittweise" von der sozial-liberalen Koalition distanziert habe. Am Ende sprachen 256 der 495 anwesenden Abgeordneten Schmidt das Misstrauen aus und wählten damit Helmut Kohl zum neuen Kanzler.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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