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AUFGEKEHRT
Julian Burgert
Sensorisches Marketing

Haben Sie schon einmal vom "Multisensorischen Marketing" gehört? Bei derartigen Werbemaßnahmen für Markenprodukte werden alle fünf Sinne angesprochen: Sehen, Tasten, Hören, Schmecken und Riechen. Da sich auch Parteien als "Marken" auf dem "Marktplatz der Ideen" behaupten, ist zu überprüfen, ob multisensorisches Marketing auch in der Politik Anwendung finden könnte.

Sinn Nummer eins: Sehen. Hier setzen die Parteien ganz klar auf Farbunterschiede: Die SPD trägt traditionell rot, die FDP tritt in gelb auf und die Grünen tragen ihre Farbe sogar im Namen. Die Linke ist nicht nur linker als die SPD sondern auch roter - nämlich dunkelrot. Das Schwarz der CDU/CSU-Fraktion wird neuerdings mit etwas Orange aufgepeppt, überdeckt dank Fraktionsgemeinschaft jedoch weiterhin das bayrische Hellblau der CSU.

Sinn Nummer zwei: Abgetastet wird vor allen Dingen das Spitzenpersonal der Parteien, müssen sie doch im Wahlkampf Hände schütteln und Babys küssen. Bei der CDU/CSU nimmt das die Spitzenkandidatin selbst in die Hand, die anderen Parteien fahren sogar gleich mehrere Kandidaten auf: zwei, drei oder zwölf!

Sinn Nummer drei: Hören. Hier hat die CSU mit dem Bayernlied ein Alleinstellungsmerkmal, auch die beiden roten Parteien weisen charakteristische Parteilieder vor und bei der CDU wird immerhin noch die Nationalhymne gespielt.

Über Geschmack lässt sich zwar bekanntlich streiten, mit "Currywurst ist SPD" hatte sich die SPD in Nordrhein-Westfalen jedoch geschmacklich festgelegt. Bei den Grünen wäre der Speiseplan rein biologisch, versteht sich, und die FDP böte, farblich passend, das Gelbe vom Ei an. Geschmacksfrei wären hingegen noch die CDU/CSU und Die Linke.

Bleibt noch Sinn Nummer fünf: das Riechen. Aber hat nicht jede Partei ihre ganz eigene Duftnote?

Aus Politik und Zeitgeschichte

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