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Katrin Gänsler
Politische Lösung nicht in Sicht

MALI

Der endgültige Entschluss soll zwar erst im Dezember gefasst werden. Dennoch haben sich die EU-Außenminister in der vergangenen Woche auf eine militärische Ausbildungsmission im krisengeschüttelten Mali geeinigt. In das westafrikanische Land könnten 250 Ausbilder geschickt werden, die die Armee für den Kampf gegen Islamisten trainieren sollen. Nicht erst seit der Übernahme des Nordens durch die Nationale Befreiungsbewegung von Azawad (MNLA) und später die Islamisten gilt die Armee in Mali als schlecht aufgestellt. Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hatte im Vorfeld deutlich gemacht: Deutschland werde sich im Rahmen des EU-Einsatzes nur dann beteiligen, wenn dieser eindeutig von möglichen Kampfeinsätzen getrennt ist.

Im März war es in Mali zu einem Putsch gekommen. Drei Wochen später hat die MNLA, der viele Tuareg angehören und die monatelang gegen die malische Armee gekämpft hatte, den Norden Malis für unabhängig erklärt. Seitdem gewinnen dort islamistische Gruppierungen rasant an Einfluss. Schon in der Vergangenheit hat es - etwa durch den Einsatz von US-Soldaten - Übungen in der Terrorismusbekämpfung gegeben. Die Al Qaida im Maghreb konnte trotzdem immer stärker im Norden Fuß fassen. Erst in der vergangenen Woche ist im Süden unweit der Grenze zu Mauretanien ein 61-jähriger Franzose entführt worden. Drahtzieher soll auch hier Al Qaida sein.

Die Begeisterung für die EU-Entscheidung hält sich bei Amara Dagnoko, Generalsekretär der Organisation "Neue Kraft Afrikas" (Nouvelle Force Africaine, NFA), in Grenzen. "Wir begrüßen das schon", sagt Dagnoko. Positiv sei daran zumindest, dass Mali sich nicht allein auf die Streitkräfte der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS verlassen müsse. Monatelang hatte diese über eine Intervention diskutiert und Anfang November entschieden, 3.300 Soldaten zu schicken. Eine Entscheidung, die auch die Afrikanische Union (AU) unterstützt.

Für ECOWAS-Sprecher Sunny Ugoh war schon kurz nach dem Ausbreiten der Islamisten im Norden im April dieses Jahres klar: "Wir müssen die Einheit Malis gewährleisten." Außerdem dürften die Islamisten unter keinen Umständen in den Nachbarländern Malis Fuß fassen. Dabei soll es längst Verbindungen zwischen verschiedenen Terrorgruppen in Westafrika geben. Aufgrund dieser Zögerlichkeit nehmen viele Malier die ECOWAS nun kaum noch ernst. "Was für eine lahme Ente", spöttelten malische Zeitungen nach der langwierigen Entscheidungsfindung.

Eine diplomatische Lösung wird nunmehr unwahrscheinlicher. Mehrfach hieß es, die Übergangsregierung Malis, die islamistische Gruppierung Ansar Dine (Verteidiger des Glaubens) und die MNLA könnten sich unter Vermittlung des burkinischen Präsidenten Blaise Compaoré zu Gesprächen treffen. Große Begeisterung dafür hatte es in Bamako, der malischen Hauptstadt, ohnehin nicht gegeben. Sowohl die Forderungen von Ansar Dine, in Mali die Scharia einzuführen, als auch der MNLA-Wunsch, einen eigenen Staat im Norden zu errichten, gelten im Süden als völlig unakzeptabel.

Die Autorin ist freie Westafrika-Korrespondentin.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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