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Alexander Weinlein
Rätsel um Bild von Klaus Barbie

NS-AUFARBEITUNG Richtigstellung zu unserer Berichterstattung vom 12. November

Klaus Barbie, als "Schlächter von Lyon" in die Geschichtsbücher eingegangen, gehört zu den bekanntesten nationalsozialistischen Kriegsverbrechern, die sich zunächst - in seinem Fall mit amerkanischer Hilfe - einer Verurteilung entziehen und nach Südamerika absetzen konnten. Im Jahr 1966 wurde der ehemalige SS-Hauptsturmführer gar vom Bundesnachrichtendienst (BND) angeworben und lieferte gegen Bezahlung Berichte für den westdeutschen Geheimdienst aus Südamerika.

In der letzten Ausgabe von "Das Parlament" (Nr 46/47, Seite 9) berichteten wir über den Fall Barbie im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Wiederverwendung von ehemaligen Nationalsozialisten in deutschen Behörden in der Nachkriegszeit. In der Bildunterschrift zu dem gezeigten Bild von Barbie schrieben wir, dass er eine SS-Uniform trage. Aufmerksame Leser wiesen uns jedoch darauf hin, dass es sich nicht um eine Uniform der SS, sondern der Wehrmacht handelt. Nach einer Überprüfung kam die Redaktion schließlich zu dem gleichen Ergebnis. Doch über einen Dienst von Klaus Barbie in der Wehrmacht ist nichts bekannt. Er war bereits im Jahr 1935 der SS beigetreten, der er auch bis zu seinem Untertauchen kurz vor Kriegsende angehörte.

Um diesen Widerspruch aufzuklären, wandte sich unsere Redaktion an das Militärgeschichtliche Forschungsamt in Potsdam (MGFA). Die Militärhistoriker kamen nach Prüfung zu folgendem Ergebnis: "Bei der Person in der Mitte des Bildes handelt es sich um einen Unteroffizier oder Feldwebel der Wehrmacht. Der Soldat gehört der Teilstreitkraft Heer an und ist mit einem Orden ausgezeichnet, der im zweiten Knopflach getragen wird (Eisernes Kreuz II. Klasse oder Medaille ,Winterschlacht im Osten 1941/42´). (...) Eine weitere Auszeichnung, die ebenfalls nicht zu ermitteln ist, trägt der Soldat an der linken Brusttasche. Der genaue Dienstgrad und die Truppengattung sind gleichfalls nicht zu identifizieren. Die Schirmmütze des Heeres besitzt ein Hoheitsabzeichen und einen Eichenlaubkranz mit Kokarde. (...) Selbiges galt für die SS. Ausnahme: Statt des Eichenkranzes mit Kokarde wurde ein Totenkopf getragen. Auch die Kragenspiegel der SS entsprachen nicht denen der Wehrmacht. Trug der Wehrmachtsangehörige Kragenspiegel in seiner Waffenfarbe auf beiden Seiten des Uniformrocks, bei Offizieren und Mannschaften ohne, bei Unteroffizierdienstgraden (wie auf dem Bild dargestellt) mit umrahmender Paspelierung, trug der SS-Soldat schwarze Kragenspiegel mit SS-Runen auf der rechten, schwarzer Kragenspiegel mit Dienstgrad - Sternen, Streifen, Eichenlaubblätter - auf der linken Seite. Die Schulterklappen entsprachen denen der Wehrmacht."

Datierung des Fotos

Anhand der Orden an der Uniform aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs lässt sich das Entstehungsdatum des Fotos zumindest auf die Zeit zwischen 1939 und 1945 eingrenzen. Wo und zu welchem Anlass das Foto entstand, konnten jedoch auch die Militärhistoriker in Potsdam nicht klären.

Letztlich lässt sich nicht einmal einwandfrei klären, ob es sich bei dem abgebildeten Soldaten wirklich um Klaus Barbie handelt, auch wenn die Ähnlichkeit mit Bildern aus der Nachkriegszeit extrem groß ist. Das zweite bekannte Bild von Barbie aus der NS-Zeit zeigt ihn im Profil und in der Uniform eines SS-Sturmführers. Diesen Rang trug er seit 1940.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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