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Volker Müller
Friedensunion Europa

GEDENKEN

Der Opfer von Krieg, Terror und Gewalt hat die Bundesrepublik am Volkstrauertag gedacht. In der zentralen Gedenkstunde des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge sprach Bundespräsident Joachim Gauck im Plenarsaal des Bundestages das Totengedenken; die Gedenkrede hielt CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt. Die frühere Vizepräsidentin des Parlaments hob besonders die deutsch-französische Aussöhnung hervor, die sie "eine der wichtigsten Lehren aus der Vergangenheit" nannte. Diese Aussöhnung sei die Basis eines "einzigartigen und dauerhaften Friedens- und Integrationsprozesses" in Europa gewesen. Mit einem deutsch-französischen Tag werde im Januar der 50. Jahrestag des Abschlusses des Élysée-Vertrages gefeiert. Die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich sei heute in den Köpfen und Herzen der Menschen "fest verankert".

Hasselfeldt erinnerte auch an die Versöhnungsgeste von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und Präsident François Mitterrand über den Gräbern von Verdun 1984. Als ebenso wegweisend bezeichnete sie den Kniefall von Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) 1970 am Ehrenmal für die Helden des Warschauer Ghettos. Diese Geste sei ein maßgeblicher Schritt auf dem Weg zur deutsch-polnischen Aussöhnung gewesen. Sie freue sich, dass Deutsch land heute zu allen seinen östlichen Nachbarn sehr gute Beziehungen habe.

"Nie wieder Krieg" - dies sei und bleibe die Grundlage der europäischen Einigung, die nicht als selbstverständlich betrachtet werden sollte. Die Diskussionen über die Zukunft Europas und des Euro hätten längst verschüttet geglaubte Ressentiments wieder zum Vorschein gebracht. Deshalb müsse "mit Zuversicht und Weitblick" am "Haus Europa" weitergebaut werden, das auf dem starken Fundament gemeinsamer Werte stehe. In der Jugend müsse das Bewusstsein dafür gestärkt werden, wie wertvoll die europäischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte sind.

Die Verleihung des Friedensnobelpreises an die Europäische Union sei nicht nur verdiente Anerkennung für die europäischen Institutionen, sondern eine Auszeichnung für "jeden einzelnen europäischen Bürger". "Jeder von uns sollte stolz darauf sein, Teil der Friedensunion Europa zu sein", sagte Hasselfeldt. Der Volkstrauertag mahne, dieses "hohe Gut" auch für künftige Generationen zu bewahren.

Der Volkstrauertag wurde durch den 1919 gegründeten Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt. Die erste offizielle Feierstunde fand 1922 im Reichstag in Berlin statt.

1934 bestimmten die nationalsozialistischen Machthaber den Volkstrauertag zum Staatsfeiertag und nannten ihn "Heldengedenktag". Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde der Volkstrauertag erneut vom Volksbund eingeführt und 1950 erstmals neben vielen regionalen Veranstaltungen mit einer Feierstunde im Plenarsaal des Bundestages begangen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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