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Hans Krump
Der Münsterländer: Jens Spahn

Einen Organspendeausweis hat Jens Spahn erst seit zwei Jahren. "In der Debatte über Organtransplantationen ist mir so richtig bewusst geworden, dass man in dieser Frage selbst entscheiden muss und dies nicht den Angehörigen überlassen sollte." Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, ist ein viel gefragter Interviewpartner bei diesem emotionsbesetzten Thema. Vor allem seit Aufdeckung der jüngsten Organspende-Skandale in deutschen Kliniken. Der 32-jährige CDU-Abgeordnete aus dem Münsterland ist hier für "klare Kante" gegen Mediziner, die aus persönlichem Gewinnstreben Wartelisten manipuliert hätten. "Das ist kein Kavaliersdelikt und ein zutiefst unethisches Verhalten für einen Arzt", empört sich Spahn und fordert harte Strafen. Mediziner sollten in solchen Fällen ihre Approbation verlieren.

Das Schlimmste an den Skandalen ist für Spahn der Verlust von Vertrauen in das Organspendesystem. "Wenn dadurch die Spendenbereitschaft zurückgeht, ist das fatal", sorgt er sich. Wichtig sei, dass durch die akribische Arbeit der Prüfkommission der Bundesärztekammer in den Transplantationszentren jeder manipulierende Mediziner damit rechnen müsse, erwischt zu werden. "Das wird seine Wirkung nicht verfehlen", hofft Spahn. Er warnt gleichwohl vor Illusionen: "Wartelisten werden erst mal bleiben." Immerhin warteten in Deutschland über 11.000 Menschen auf ein Organ.

Wie zufrieden ist Spahn mit der Gesundheitspolitik der schwarz-gelben Koalition? Ziemlich. So freut er sich über Milliarden-Überschüsse bei den Krankenkassen nach jahrelangen Defiziten. "Wir müssen aber weiter solide bleiben", wehrt Spahn Begehrlichkeiten ab. Zur positiven Bilanz unter FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr zählt Spahn auch, dass die Koalition "den Fokus auf die Versorgung" gesetzt habe. Das Landarztgesetz, das Gesetz für mehr Patientenrechte oder bessere Leistungen für Demente durch die Pflegeversicherungsreform hätten hier einiges bewirkt.

Und die Prävention, wo es noch hakt? Spahn hält hier wenig von "hochtrabenden Diskussionen". Es sollte Anstöße in Betrieben, Kitas oder Schulen geben - aber "jeder ist zuerst einmal selbst verantwortlich für mehr Bewegung oder gesunde Ernährung".

Die Gesundheitspolitik begleitet Jens Spahn, seit er 2002 als 22-Jähriger und damals jüngster Abgeordneter in den Bundestag einzog. Er kam in den Ausschuss für Soziales und Gesundheit, als Ulla Schmidt (SPD) "Doppelministerin" war. Die Gesundheitspolitik interessierte Spahn am meisten, "weil sie unendlich spannend und dynamisch ist". Seit 2009 ist er Gesundheitssprecher der Fraktion. Jens Spahn ist waschechter Münsterländer: Geboren ist er in Ahaus und dort bis auf einige Jahre als Bankkaufmann in Münster heimisch geblieben. Als Vorsitzender des Vereins "Freunde des Münsterlandes in Berlin" zelebriert der umtriebige, mediengewandte Politik-Bachelor sein Heimatbewusstsein. Wie kam er zur CDU? Linke Lehrer traktierten ihn, gegen das Atom-Zwischenlager Ahaus zu demonstrieren. Das erweckte seinen "Protest gegen den Protest". Mit 15 trat er der Jungen Union bei, mit 17 der CDU. Jens Spahn war schon damals überall präsent, als JU-Kreischef, im Karneval, in der Katholischen Jugend, auf Schützenfesten - so brachte er als 21-Jähriger das Kunststück fertig, als CDU-Direktkandidat im neuen Wahlkreis Steinfurt I/Borken I für die Wahl 2002 nominiert zu werden. Dreimal hat Spahn den Wahlkreis direkt gewonnen. Auch für die Bundestagswahl 2013 wurde er wieder nominiert.

Politik ist Spahns Lebensinhalt. Vor allem der demografische Wandel beschäftigt ihn. Auch, wie Menschen in unserer schnelllebigen Zeit ein "neues Maß an Verbindlichkeit in den Beziehungen zueinander finden können". Spahn sieht sich selbst als modernen Wertkonservativen in der CDU. Als Hobby nennt er: "Freunde treffen, Kontakthalten zu Menschen, die ich schon vor der Politik kannte." Spahn hat zu viele in der Politik erlebt, die danach "kein soziales Umfeld mehr hatten". Im Dezember rückte er in den CDU-Bundesvorstand auf. Ist Gesundheitsminister nach der Wahl 2013 die nächste Station für den ehrgeizigen Spahn? Der Mann mit der markanten schwarzen Designerbrille antwortet professionell: "Was ich mache, bereitet mir große Freude. Wichtig ist, dass die Union weiter Gesundheitspolitik aktiv mitgestalten kann."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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