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Alexander Heinrich
Gegenwind für Fitschen

ENTWICKLUNG Kritik an Finanzwetten auf Nahrungsmittel

Es ist kein einfacher Auftritt für Jürgen Fitschen: Vertreter aller Fraktionen kritisierten in der vergangenen Woche im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung den Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank für die Entscheidung seines Hauses, sich weiter an umstrittenen Spekulationsgeschäften mit Nahrungsmitteln zu beteiligen. Im Mittelpunkt der kontroversen Diskussion stand die Frage, ob zwischen Finanzgeschäften mit Agrarrohstoffen und starken Preisschwankungen auf den Märkten für Grundnahrungsmittel eine Kausalität besteht. Jürgen Fitschen betonte, dass seine Bank nach eingehender Prüfung zu dem Schluss komme, dass es kaum haltbare Belege für einen Zusammenhang dieser Geschäfte mit dem Hunger in der Welt gebe.

Thilo Bode, Geschäftsführer der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch bekräftigte, dass Finanzwetten die realen Preise für Nahrungsmittel beeinflussen würden. Bis zum Beweis des Gegenteils müsse die Deutsche Bank aus dem Geschäft mit Nahrungsmittelspekulationen aussteigen, forderte er. Bode führte aus, dass insbesondere kurzfristige Preisschocks zu Hunger und Mangelernährung in Entwicklungsländern führten. "Es gibt ein Menschenrecht auf Nahrung, aber keines auf Finanzwetten", sagte er und kritisierte, dass die Deutsche Bank Versuche einer Regulierung in Brüssel torpedieren würden.

Fitschen verwahrte sich gegen den Vorwurf, sein Haus betreibe ein Geschäft mit dem Hunger: Mangelernährung hätte ihre Ursachen nicht in Finanzwetten, sondern unter anderem darin, dass Kleinbauern in Entwicklungsländern der Zugang zu Krediten fehle und der Import subventionierter Lebensmittel aus Industriestaaten ihnen die Lebensgrundlage entziehen würde. Fitschen betonte zudem, dass Spekulationen ein wichtiges Instrument für effiziente Märkte seien, etwa bei der Absicherung von Ernterisiken durch Termingeschäfte. Vertreter aller Fraktionen unterstrichen demgegenüber, dass es nicht um ein Verbot von Termingeschäften gehe, sondern um eine stärkere Regulierung, um Exzesse auf den Märkten zu unterbinden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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