Inhalt

Alexander Weinlein
Kurz notiert

Sein Name gilt seit rund 500 Jahren als der Inbegriff eines zynischen Politikverständnisses, das ausschließlich dem Prinzip folgt: es ist alles erlaubt, solange es von Erfolg gekrönt ist. Der Vorwurf des Machiavellismus gehört bis heute mit zu den beliebtesten Angriffen auf den Kontrahenten im politischen Geschäft. Dabei wurde und wird noch immer gerne übersehen, dass der 1469 in Florenz geborene Niccolò Machiavelli in seinen berühmten Schriften - wie etwa "Il principe" oder "Discorsi" - die Kategorie Macht ganz analytisch und weniger normativ beschrieb. Und zwar auf der Grundlage dessen, was er selbst in seiner Karriere als Politiker und Diplomat beobachten konnte.

Der Historiker und Renaissance-Experte Volker Reinhardt nimmt in seiner exzellenten Biographie Machiavellis eine Art Ehrenrettung für den ebenso oft gescholtenen wie missverstandenen Staatsphilosophen vor. Machiavelli habe als erster überhaupt die Grundsätze einer Staatsräson formuliert. Die lautete: "Der Herrscher, der dem Staat dient, muss die Gesetze der traditionellen Moral verletzen. Schreckt er davor zurück, geht er zusammen mit seinem Staat unter, dessen elementaren Bedürfnisse er aus falsch verstandener Menschlichkeit vernachlässigt hat." Und Machiavelli habe "der Politik die Maske der Wohlanständigkeit" heruntergerissen" und "Herrschaft als Inszenierung der Propaganda entlarvt".

Reinhardt gelingt es, auch stilistisch auf höchstem Niveau, die Biographie Machiavellis mit seinen Lehren zu verknüpfen und damit für den Leser nachvollziehbar und verständlich darzustellen. Reinhardt geht es darum, Machiavelli aus seiner Zeit heraus zu verstehen und zu erklären. Ihn und seine Lehren mit Blick auf die faschistischen Diktaturen des 20. Jahrhunderts zu verdammen, lehnt Reinhardt entschieden ab. Ebenso, ihn als Vordenker einer pluralistischen Demokratie zu vereinnahmen. Machiavelli sei vor allem ein "brillanter intellektueller Außenseiter" gewesen, "der Hilfsmittel gegen die Krisen seiner Zeit erfand". In diesem Sinne sei er aber für alle Zeiten zum "Stein des Anstoßes" geworden.

Volker Reinhardt:

Machiavelli oder Die Kunst der Macht. Eine Biographie

Verlag C.H. Beck, München 2012; 400 S., 24,95 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag