Inhalt

Kata Kottra
Kurz notiert

Welchen Unterschied es macht, ob eine Stadt kindergerecht ist oder nicht, erlebt Federico Busarello momentan am eigenen Leib. Der 39-jährige FDP-Lokalpolitiker ist momentan in Elternzeit mit seiner einjährigen Tochter. Wenn er in Stuttgart mit dem Kinderwagen unterwegs ist, ärgert er sich über jeden nicht abgesenkten Bordstein. Vor 14 Jahren, noch als Student, ist er den Jungen Liberalen beigetreten. Heute ist er Mitglied des Stuttgarter FDP-Vorstandes, vor zweieinhalb Jahren wurde er in den Bezirksbeirat Ost gewählt. Sein großes Thema dort ist die Beruhigung des Verkehrs - in der Autostadt Stuttgart sind da harte Bretter zu bohren. Busarello möchte, dass vor jedem Kindergarten und jeder Schule Tempo 30 und ein absolutes Halteverbot für Autos gilt. Dafür muss er Verbündete finden, denn im Bezirksbeirat Ost ist er der einzige Vertreter der Liberalen. Allerdings sind die politischen Bündnisse in der Lokalpolitik weniger starr als in der Bundespolitik. Federico Busarello hat deshalb gute Chancen, dass seine Anträge auch von Grünen oder Sozialdemokraten unterstützt werden.

Gegen den Vorwurf, als FDP-Politiker ein "Neoliberaler" zu sein, verwahrt Busarello sich entschieden. Er sieht sich selber als "Sozialliberaler", den das soziale Engagement seiner Eltern - seine Mutter ist Deutsche, sein Vater Italiener - und seiner Großeltern geprägt hat. Schon als Kind half er mit, wenn die evangelische Kirche Essen an Bedürftige verteilte, in der Grundschule ließ er sich zum Klassensprecher wählen. Auch bei der FDP sieht er einen "starken sozialen Flügel", der in der Zukunft eine größere Rolle spielen könnte - mittelfristig hofft er auf eine rot-gelbe Koalition wie zu Zeiten Willy Brandts.

Obwohl in Stuttgart fast jeder zweite Bürger aus der Türkei, aus Italien, Griechenland oder Russland stammt, spiegelt sich das in der Lokalpolitik bislang nicht. Federico Busarello bedauert das. Die Parteien hätten das Potenzial dieser Gruppen vernachlässigt, findet er. "Ich erlebe aber auch, dass beispielsweise in der italienischen Community viele gut integriert, aber unpolitisch sind", erzählt er. Allerdings wachse der Anteil derjenigen Migranten, die gut Deutsch sprechen, gut integriert sind und sich deswegen auch ein politisches Amt zutrauen.

Etwa zehn Stunden in der Woche bringt Federico Busarello, der als selbstständiger Immobilienberater arbeitet, für sein politisches Engagement auf: Für Sitzungen, die Vorbereitung von Dokumenten und Gespräche mit Bürgern, die ihn seit seiner Wahl zum Bezirksbeirat häufig auch auf der Straße ansprechen. Trotz der minimalen Aufwandsentschädigung kann Busarello sich nicht vorstellen, auf sein politisches Engagement zu verzichten.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2021 Deutscher Bundestag