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Susanne Kailitz
Kurz notiert

Manchmal denkt Sebastian Brehm darüber nach, wie sein Leben ohne Politik aussehen würde. Ohne lange Stadtratssitzungen, Straßenwahlkampf und Diskussionsveranstaltungen zu Schulneubauten und der Zukunft des Nürnberger Obstmarkts. "Entspannter wäre es mit Sicherheit", sagt der 41-Jährige, "aber mir würde etwas ganz Wichtiges fehlen. Ich habe mit 13 angefangen. Das prägt." Damals kämpfte er für kostenlose Schülertickets, mehr Mitbestimmung an Schulen und die Abschaffung der Sperrstunde.

Inzwischen ist Brehm Vorsitzender der CSU-Stadtratsfraktion in Nürnberg. Heute argumentiert er gegen die Idee, flächendeckend Tempo 30 in der Stadt einzuführen, und fordert ein Programm, um der katastrophalen Hortplatzsituation zu begegnen. Der selbstständige Steuerberater will mehr: Er hofft, im nächsten Jahr Oberbürgermeister zu werden. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg, der SPD-Amtsinhaber ist beliebt. Angst vor einer Niederlage hat Brehm nicht. "Ich mache das, weil ich meine Stadt liebe und mich darüber ärgere, dass nichts vorangeht. Im Moment schläft die Stadt ein. Da muss ich einfach versuchen, es besser zu machen und anpacken." Auf Fußballplätzen und Märkten, in Vereinen und auf Bürgerversammlungen kämpft er um Stimmen. Dass viele auf einen solches Pensum keine Lust haben, kann er verstehen. "Im Moment arbeite ich früh morgens bis spät in der Nacht. Das ist natürlich anstrengend. Wer dann nicht mit Begeisterung und Herzblut zu den Veranstaltungen geht, der schafft so ein Pensum nicht." Kommunalpolitik sei ganz sicher Kärrnerarbeit, "aber eben auch genau das, was das Leben konkret beeinflusst. Wenn ich mit dem Bus durch die Stadt fahre, kann ich an jeder Ecke sagen: Hier haben wir das gemacht, dort dies. Kommunalpolitik bringt unmittelbare Ergebnisse."

Auch an die Beobachtung als Politiker hat sich Brehm gewöhnt. "Wir sind ja auf eine bestimmte Art Vorbilder. Ich weiß: Ich muss diese Vorbildrolle leben, sonst steht es morgen in der Zeitung, aber ich lebe diese Vorbildrolle gerne." Er habe getan, was möglich war, um sich nicht angreifbar zu machen. "Ich weiß genau, dass mein Hintergrund auf allen Ebenen überprüft wird." Der Politikstil ändert sich, sagt Brehm, "die Leute wollen ja keine aalglatten Politiker, die immer dieselben Phrasen von sich geben, sondern Volksvertreter mit Charakter. Was man vor der Wahl verspricht, sollte man nach der Wahl auch zügig umsetzen."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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