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Alexander Heinrich/Quelle: DHM
Kurz notiert

Konservative, Liberale, Katholiken und Sozialisten: Vier politische Grundströmungen haben die Parteienlandschaft in Deutschland von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1933 geprägt. Ein Überblick über wichtige Parteien in Kaiserreich und Weimarer Republik:

LIBERALE 1861 ging die Deutsche Fortschrittspartei aus einem Zusammenschluss liberaler Parlamentarier im preußischen Abgeordnetenhaus hervor. Zu den programmatischen Zielen zählten die Einigung Deutschlands unter preußischer Führung, Rechtsstaatlichkeit und ein starkes Parlament. 1867 gründete sich die Nationalliberale Partei als Abspaltung der Fortschrittspartei: Sie galt als Partei des protestantischen Besitz- und Bildungsbürgertums sowie zunehmend auch der Großindustriellen und -unternehmer. Die Nationalliberalen unterstützten die Gründung des Deutschen Kaiserreichs, traten für den parlamentarischen Rechtsstaat ein und setzten auf die Entwicklung Deutschlands zu einer modernen Industrienation. Die nationalliberale Tradition setzte in der Weimarer Zeit die Deutsche Volkspartei (DVP) fort, die Deutsche Demokratische Partei (DDP, ab 1930 Deutsche Staatspartei) stellte sich demgegenüber in eine sozialliberale Tradition.

KONSERVATIVE Die 1867 gegründete Freikonservative Partei stellte sich von Anfang an konsequent hinter den Kurs des späteren Reichskanzlers Otto von Bismarck und galt auch über dessen Amtszeit hinaus als Verfechterin des Regierungskurses. Zum Ausdruck kommt dies ab 1871 mit ihrer Selbstbezeichnung als Deutsche Reichspartei. Sie vertrat vor allem die Interessen von Agrariern und Industrie, des Adels und des gehobenen Beamtentums. Auch die Deutschkonservative Partei galt vor allem als Interessenvertretung preußischer Eliten, insbesondere Großgrundbesitzer waren die Honoratioren der Partei. Sie positionierte sich mit sozialkonservativen Forderung und zwischenzeitlich scharf antisemitischen Tönen gegen Liberalisierungen in der Wirtschafts- und Innenpolitik. In der Weimarer Republik stellte sich vor allem die Deutsche Nationale Volkspartei in die nationalkonservative Tradition.

POLITISCHER KATHOLIZISMUS Im Unterschied zu den meisten Parteien im Kaiserreich erreichte die 1870 gegründete katholische Zentrumspartei alle sozialen Schichten: So konnte das Zentrum durch sein sozialpolitisches Profil auch Arbeiter an sich binden. Im Konflikt zwischen Reich und Katholischer Kirche ("Kulturkampf") pochte das Zentrum auf die Interessen der Katholiken in Deutschland und die Unabhängigkeit der Kirche. In der Weimarer Nationalversammlung bildete das Zentrum mit der SPD und der Deutschen Demokratischen Partei die Weimarer Koalition.

SOZIALISTEN 1875 schlossen sich der bereits 1863 gegründete Allgemeine Deutsche Arbeiterverein sowie die 1869 gegründete Sozialdemokratische Arbeiterpartei zur Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) zusammen. Die SAP verstand sich als fundamentale Opposition zum politischen Systems des Kaiserreichs - und wurde 1878 durch das Gesetz "wider die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" verboten. Die 1890 als Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) wiedergegründete Partei vertrat vor allem die Interessen der Arbeiterschaft und prägte durch ihren hohen Organisationsgrad das soziokulturelle Milieu ihrer Anhänger entscheidend. 1917 spaltete sich die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) ab - unter anderem wegen SPD-interner Differenzen zur Bewilligung von Kriegskrediten. 1918 gründete sich die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) in Abgrenzung zu den als zu gemäßigt empfundenen Sozialdemokraten.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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