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Aschot Manutscharjan
Kurz notiert

"Cypherpunk" bedeutet frei übersetzt: "Verschlüsselungsrebellen des Cyberspace". Sie kämpfen für ein freies Internet und sind treue Unterstützer von Julian Assange, dem Betreiber der Plattform WikiLeaks. Der "Feind Nummer Eins" der USA prophezeite früh, dass sich das Internet in den "gefährlichsten Wegbegleiter des Totalitarismus" verwandeln werde. Aus seinem Londoner Hausarrest diskutierte Assange jetzt mit drei bekannten Hackern und Aktivisten über die Gefahren, die sich aus der Kommerzialisierung des Netzes für die demokratischen Gesellschaften ergeben.

Jérémie Zimmermann, Mitbegründer der europäischen Organisation "La Quadrature du Net", erzählt etwa, wie die ACTA-Gesetzesvorlage im Europäischen Parlament scheiterte. Der frühere Sprecher des Berliner Chaos Computer Clubs, Andy Müller-Maguhn, fürchtet, dass die demokratischen Staaten Europas durch die neuen Technologien dazu verleitet würden, ohne richterliche Genehmigungen sensible Daten zu speichern. Er kritisiert, Händler dürften an Diktaturen Überwachungsausrüstung liefern, aber keine Verschlüsselungstechnologien an die Opposition.

Kinderpornografie, Terrorismus, Geldwäsche und der Kampf gegen Drogen seien "die vier Reiter der Infokalypse". Sie dienten als Vorwand, um das freie Internet zu kontrollieren, meint Jacob Appelbaum, Aktivist des TOR-Verschlüsselungsprojektes. Er beklagt, dass US-Marines und CIA junge Hacker als "Cyberkrieger", nicht etwa "Cyberverteidiger", anwerben würden. Gravierender sei, dass der US-Geheimdienst NSA nicht davor zurückschrecke, sämtliche Daten der Telefongesellschaft AT&T abzufangen.

Vernichtend fällt die Kritik der Hacker in Bezug auf die Geschäftsmodelle und Praktiken von Google und Facebook aus. Vor allem Facebook habe "die Überwachung demokratisiert": Anstatt die privaten Daten zu schützen, erhielten die US-Geheimdienste freien Zugang. Nicht umsonst heiße der Facebook-Kunde intern "target" (Ziel).

Der interessanten und spannenden Diskussion wünscht man viele Leser.

Julian Assange:

Cypherpunks. Unsere Freiheit und die Zukunft des Internets.

Campus Verlag, Frankfurt/M. 2013; 137 S., 16,99 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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