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AUFGEKEHRT
Claus-Peter Kosfeld
Kollege Administrator

Der Fall Edward Snowden beinhaltet neben den erschreckenden Erkenntnissen über den NSA-Spionagekram auch noch eine ermutigende Seite. Snowden hat uns nicht nur einen Einblick in die Überwachungsmethoden der USA geliefert, nein, er hat auch noch das öffentliche Bild des Systemadministratoren revolutioniert. Schließlich hat der Mann in seiner Tätigkeit als Systemadministrator diverse Kollegen um die Herausgabe ihrer Passwörter gebeten und sich damit Zugang zu vertraulichen Daten des US-Geheimdienstes verschafft.

Aha, das lässt ja aufhorchen. Systemadministrator klang ja schon immer irgendwie geheimnisvoll, geradezu abstrakt. Als Nutzer von Computern und Internet ist uns die Bezeichnung schon untergekommen, aber hat uns das interessiert? Haben wir nicht verächtlich gedacht, das sind die Nerd-Typen, die außer ihrem Laptop keine Freunde zu haben scheinen und irgendwas mit Rechnern und Servern machen, das wir nicht verstehen wollen und können? Nun ist der Bann gebrochen! Nun wissen wir, zumindest so ungefähr, was ein Systemadministrator macht und wie bedeutsam ein solcher Mensch für die Entwicklung der Zivilisation sein kann. Hinter der kalten Begriffsfassade können aufrichtige Leute stecken mit hoher moralischer Integrität. Snowden verhilft seinen Mit-Systemadministratoren somit zu einem unerwarteten Schub an Popularität und Bedeutung. Brust raus, Kopf hoch! Kommt raus, Leute, zeigt euch! Keine Frage, Snowden ist die Leuchtspur für eine verkannte Berufssparte. Und beim nächsten Computercheck im Büro werden wir die vage Hoffnung hegen, dass da ein Abgesandter der hellen Seite der Macht an der Rechenanlage schraubt.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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