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Alexander Weinlein
Rund 590 Werke unter Verdacht

KULTUR II

Bei rund 590 Kunstwerken des sogenannten Schwabinger Kunstfundes wird derzeit geprüft, ob es sich um NS-Raubkunst handelt. Dies teilte die Leiterin der eigens eingesetzten Taskforce, Ingeborg Berggreen-Merkel, dem Kulturausschuss in der vergangenen Woche mit. Inzwischen seien rund 460 Werke bei der Datenbank "www.lostart.de" im Internet eingestellt, um ihre Herkunft zu klären. Die Taskforce setze sich aus einer internationalen Gruppe von Experten für Provenienzrecherche zusammen. Berggreen-Merkel warb bei den Abgeordneten zugleich um Verständnis, dass die Arbeit der Taskforce weitestgehend vertraulich sein müsse. Die Staatsanwaltschaft Augsburg habe im März 2012 den damaligen Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) um Amtshilfe gebeten, um die Herkunft der bei dem Kunstsammler Cornelius Gurlitt beschlagnahmten Werke zu klären. Mit Blick auf das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts einer Steuerstraftat sei die Taskforce zur "strengsten Verschwiegenheit" verpflichtet, erläuterte Berggreen-Merkel. Die Ergebnisse der Taskforce würden deshalb zuerst der Staatsanwaltschaft übermittelt. Später könnten sie auch in zivilrechtlichen Auseinandersetzungen über Rückgabeforderungen genutzt werden. An die Taskforce könnten sich auch potenzielle Anspruchsteller wenden.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) lobte die Arbeit und die Zusammensetzung der Taskforce vor dem Ausschuss ausdrücklich. Zugleich gab sie sich zuversichtlich, die von ihr angestrebte Verdoppelung der Mittel für die Provenienzforschung von zwei auf vier Millionen Euro in den Haushaltsverhandlungen zu erreichen. Sie stellte noch einmal klar, dass sie die Gelder nicht aus dem Kulturhaushalt aufbringen könne.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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