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Aschot Manutscharjan
Kurz notiert

US-Präsident Barack Obama zeigte sich im Mai 2013 davon überzeugt, dass der seit dem 11. September 2001 geführte Krieg gegen den Terrorismus allmählich zu einem Ende kommen müsse. Das lehre die Geschichte und das verlange auch "die Demokratie von uns". Ungeachtet dieser Einsicht kommt der amerikanische Journalist und Pulitzer-Preisträger Mark Mazzetti zu einem ernüchternden Ergebnis: Von einer grundlegenden Revision oder gar von einem Ende der geheimen Kriegführung der USA können keine Rede sein - im Gegenteil.

In einem Meisterwerk des investigativen Journalismus zeichnet Mazzetti die Strategieweschel des US-Nachrichtendienstes CIA in den letzten zehn Jahren nach und lässt dabei auch die geheimen Drohnenoperationen nicht außen vor. Der Pulitzer-Preisträger zeigt, wie aus der weltweit operierenden Spionageorganisation innerhalb weniger Jahre eine "Tötungsmaschine" werden konnte. Immerhin hatte die CIA seit dem 18. Februar 1976 keine Attentate mehr verüben dürfen: Nachdem die schmutzigen Details des geheimen Programms zur Tötung ausländischer Staatschefs öffentlich geworden waren, hatte US-Präsident Gerald Ford die Reißleine gezogen und diese Aktionen verboten. Er hoffte, dass sich seine Nachfolger nicht mehr leichtfertig auf "schwarze Operationen" einlassen würden.

Weit gefehlt: Seit dem Jahr 2001 entwickelte sich die CIA zu einer Miniaturausgabe des Pentagons, müssen die Agenten militärische Operationen durchführen. Laut dem ehemaligen CIA-Direktor Michael Hayden verübt die Agency nach mehr als einem Jahrzehnt geheimer Kriegführung fast "nur noch gezielte Tötungsoperationen und Menschenjagden". Er warnte: "Der globale Geheimdienst der Nation" werde eines Tages seine Fähigkeit verlieren, das zu tun, wozu er eigentlich da sei: spionieren.

Mark Mazzetti resümiert, dass die gezielten Tötungen sowohl den Beifall der Republikaner als auch der Demokraten finden. In Washington sei man überzeugt, dass dem Drohnenkrieg die Zukunft gehört.

Mark Mazzetti:

Killing business. Der geheime Krieg der USA.

Berlin Verlag, Berlin 2013; 416 S., 22,99 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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