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Julian Burgert
FÜNF FRAGEN ZUM: Jahreswirtschaftsbericht 2014

2014 soll das BIP Deutschlands um 1,8 Prozent wachsen, im Jahr darauf nochmals um zwei Prozent. Was sind die Gründe dafür?

Ob das BIP als einzige Kennzahl dafür ausreichend ist, Wohlstand und Lebensqualität zu beschreiben, würde ich in Frage stellen. Trotzdem: Die deutsche Wirtschaft ist insgesamt gut aus der Krise gekommen und in einem robusten Zustand. Dafür tragen insbesondere die Tarifpartner die Verantwortung. Während wir beim Export neue Rekordmargen erreichen, investieren wir aber gleichzeitig im Inland zu wenig in die Zukunft. Zehn Milliarden Euro gehen in zusätzliche Ausgaben für die Rente, Null Euro in den Breitbandausbau.

Welche Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung sehen Sie, die die Bundesregierung nicht angesprochen hat?

Es geht darum, sich heute nicht auf den guten Daten auszuruhen, sondern gezielt in die Zukunft zu investieren. Das Thema Digitalwirtschaft zum Beispiel ist bei dieser Bundesregierung total unterbelichtet. Beim Breitbandausbau hinken wir Bulgarien und Rumänien hinterher. Und dann natürlich die Megathemen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Es fehlt auch eine steuerliche Förderung bei der Gebäudesanierung.

Laut Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel kommen wir dem Ziel, die wirtschaftlichen Ungleichgewichte in Europa abzubauen, immer näher. Stimmt das?

Zahlreiche unserer EU-Nachbarländer befinden sich weiterhin in der Krise. Wir brauchen weiterhin große Anstrengungen, um wirtschaftliche Ungleichgewichte innerhalb Europas zu verringern. Dabei gilt es, zukunftsfähige Wirtschaftsbranchen aufzubauen wie beispielsweise bei den grünen Technologien wie erneuerbaren Energieträgern, Effizienzsystemen und innovativen Materialien.

In den nächsten vier Jahren sollen fünf Milliarden Euro in die Infrastruktur investiert werden. Halten Sie das für ausreichend?

Nein, allein im Bereich der Verkehrsinfrastruktur benötigen wir sieben Milliarden Euro nur für den Erhalt des Bestandes. Hier sind wir chronisch unterfinanziert. Wichtige Zukunftsfelder sind die Digitalisierung, die Elektromobilität oder die Gebäudesanierung.

Steigende Energiepreise werden als großes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung angesehen. Welche Rolle spielt dabei die Energiewende?

Mittel- und langfristig führen die erneuerbaren Energieträger zu geringeren Energiekosten und machen uns unabhängig von fossilen Importen. Wenn wir die Energiewende weiter ambitioniert vorantreiben, wird Deutschland zum weltweiten Vorreiter bei Zukunftstechnologien. Das schafft Wettbewerbsvorteile. Die Energiewende bietet also Potenzial und schafft nachhaltige Jobs.

Das Gespräch führte

Julian Burgert.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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