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Parlamentarisches Profil
Hans Krump
Der Sachse: Andreas Lämmel

Für Andreas Lämmel ähnelt die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) der Echternacher Springprozession: „Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück.“ Ja, es gebe jetzt Fortschritte bei der Dämpfung des Stromkostenanstiegs, sagt der Unions-Obmann im Bundestags-Wirtschaftsausschuss. Positiv sei auch der Einstieg der „Erneuerbaren“ in die Direktvermarktung. Allerdings: Es bleibe bei der „sehr starken“ Förderung des Windstroms, eine Folge auch des Lobbyismus bestimmter Bundesländer. „Sinken werden die Strompreise nicht“, bedauert der CDU-Bundestagsabgeordnete aus Dresden, „sie werden nur weniger ansteigen.“

Dabei schlägt bei den Verbrauchern auch die weitere Entlastung der deutschen Industrie negativ zu Buche, die Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) in Brüssel durchgesetzt hat. Dazu steht auch Andreas Lämmel, Vizevorsitzender des wirtschaftsnahen Parlamentskreises Mittelstand der Unions-Fraktion. Die Bürger stünden laut Umfragen mit großer Mehrheit hinter der Energiewende und Abschaffung der Atomkraft – dann müssten sie auch die Konsequenzen für den eigenen Geldbeutel mittragen, sagt Lämmel. „Diejenigen, die vor der Energiewende auf die hohen Kosten und die steigenden Strompreise aufmerksam gemacht haben, haben Recht behalten.“ Er selbst gehörte zu den Abgeordneten, die den hektischen Schwenk der Regierung Merkel 2011 hin zur Energiewende nach der Fukushima-Katastrophe mit Argwohn betrachtet haben. Jetzt sei das Ganze „voll im Gang“ und man müsse das beste daraus machen.

Am meisten bedrückt Lämmel ein Szenario, dass Deutschland eines Tages das Land mit dem Höchstanteil an regenerativen Energien sei, seinen Status als Industrieland aber verloren habe. Es gebe einen „schleichenden Prozess“ Industrie-Abwanderung ins Ausland, der nicht erkannt oder ausreichend thematisiert werde. Ein Beispiel sei die Chemiebranche. Hierzulande gebe es den Wunsch, „nichts neues“ mehr zu wollen, wie bei der Gentechnologie – für Lämmel ein „gefährlicher Trend“, wenn man auf dem Weltmarkt Spitze sein wolle.

Wie groß ist die Gefahr, dass die Energiewende wegen des Bürger-Widerstands gegen den Leitungsausbau ins Stocken gerät? Gerade wurde die umstrittende Südost-Gleichstromtrasse von Halle nach Augsburg von Minister Gabriel kassiert. „Das macht mir große Sorgen“, sagt Lämmel. „Wenn die Stromleitungen nicht so gebaut gebaut werden können wie geplant, muss der Ausbau der Windenergie abgebremst werden.“ Neuen Ärger gibt es auch durch den Wunsch der Betreiber von Kohle- und Gaskraftwerken, das Vorhalten der eigenen Anlagen zu subventionieren. Dagegen wendet sich Lämmel strikt. „Wer solche Anlagen baut, geht auch Risiken ein. Die können nicht auf die Steuerzahler abgewälzt werden.“ Und wieviel EEG-Reformen wird es noch geben? Lämmel lacht ein wenig. „Den Höhepunkt haben wir hinter uns“, sagt er. „Nun muss ein Gesetz folgen, das den Weg zur Integration der Erneuerbaren Energien in den Markt festschreibt und die Förderung und Subventionierung beendet.“

Der gebürtige Vogtländer Andreas Lämmel, ist 55 und lebt seit 1967 in Dresden. Zuerst gelernter Konditor und später zum Maschinenbauingenieur umgesattelt, kam er durch die Wende zur Politik. 1989 war er Mitgründer der Bürgerrechtlergruppe Neues Forum in Dresden, ging 1990 zur CDU und arbeitete dann ab 1991 als Referatsleiter im sächsischen Wirtschaftsministerium und später als Abteilungsleiter bei der Wirtschaftsförderung Sachsen. Von 1994 bis 2005 saß er für die CDU im sächsischen Landtag. Im Oktober 2005 errang er bei der viel beachteten Bundestags-Nachwahl im Dresdner südlichen Wahlkreis 159 für die CDU das Direktmandat, in den Jahren 2009 und 2013 erneut. Er saß stets im Wirtschaftsausschuss. Bei schönem Wetter sieht man Lämmel jetzt oft auf seinem Motorrad fahren. Der verheiratete Vater zweier Söhne, der sein breites Sächsisch nicht versteckt, wandert und klettert auch gerne in der Sächsischen Schweiz. Sein Motto ist das von Max Weber: Bohren harter Bretter in der Politik. Hans Krump

Aus Politik und Zeitgeschichte

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