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Ortstermin: Polizeianwärter im Deutschen Bundestag
Sören Christian Reimer
Sie wollen für Sicherheit und Ordnung sorgen

„Das ist keine alltägliche Dienststelle. Das gibt es so kein zweites Mal.“ Benjamin K. schwärmt schon fast, wenn er von seinem zukünftigen Arbeitsplatz spricht. Auch bei Mervin Dargatz ist das ähnlich: „Das ist schon ein Privileg, hier zu arbeiten.“ Dargatz und K. sind zwei von neun Polizeianwärtern, die im September 2013 ihre Ausbildung bei der Polizei des Deutschen Bundestags begonnen haben. Eine Premiere, denn bis dato hatte sich die Truppe exklusiv aus bereits ausgebildeten Polizisten rekrutiert. Im September dieses Jahres startete ein zweiter Jahrgang mit 14 Polizeianwärtern.

Die Bundestagspolizei ist eine Besonderheit. Obwohl der Bundestag mitten in Berlin liegt, sind nicht die Beamten der Hauptstadt zuständig, sondern ein eigenständiger, unabhängiger Dienst. Laut Grundgesetz liegen Hausrecht und Polizeigewalt beim Bundestagspräsidenten, er ist der Dienstherr der Ordnungshüter im Bundestag. „Wir kümmern uns um alle polizeilichen Angelegenheiten im Haus“, erläutert Polizeidirektor Michael Reinke, Leiter des Bereichs Gefahrenabwehr/Einsatz. Die Beamten sind zum Beispiel zuständig, wenn in den Liegenschaften des Deutschen Bundestages ein Portemonnaie abhanden kommt. Zudem sorgen sie für die allgemeine Sicherheit vor allem in den öffentlich zugänglichen Bereichen des Bundestages. Etwa auf der Dachterrasse des Reichstagsgebäudes, auf die täglich viele Touristen strömen. Ebenso sind die Beamten bei Sitzungen im Plenum und bei öffentlichen Ausschusssitzungen anwesend, um etwa bei Störungen eingreifen zu können und so die Arbeitsfähigkeit des Parlaments zu wahren. Bei der Arbeit sei Fingerspitzengefühl sehr wichtig, betont Reinke. „Alles, was wir tun, machen wir im Namen und im Auftrag des Bundestagspräsidenten“, erläutert er. Das seien daher schon andere Anforderungen als im Polizeidienst außerhalb des Parlaments.

Der überwiegende Teil der Ausbildung der Polizeianwärter findet in Neustrelitz statt. Zweieinhalb Jahre durchlaufen sie bei der Bundespolizei deren Ausbildung. Im ersten Jahr seien vor allem die Grundlagen vermittelt worden, berichtet Dargatz. Nun steht Praxis auf dem Programm: Die künftigen Bundestagspolizisten absolvieren dabei auch zwei einwöchige Praktika im Parlament, bevor sie im März 2016 ihren regulären Dienst antreten werden. Während der Praktika haben die Anwärter die Möglichkeit, ihren künftigen Arbeitsplatz und ihre Aufgaben kennenzulernen. „Es ist schon sehr groß und sehr ansehnlich hier“, sagt Marie Kaleyta. Unterstützung bekommt der Polizeinachwuchs dabei von den Kollegen, die sie während der Woche begleiten. „Sie zeigen uns alles, was wichtig ist. Und wir haben die Möglichkeit, noch offene Fragen zu klären“, so Dargatz. „Wir sind sehr herzlich aufgenommen worden“, freut sich K.

Während des Praktikums lernen die Anwärter auch das politische Leben aus erster Hand kennen: „Manche Themen sind schon sehr interessant“, so Kaleyta über Ausschuss- und Plenumssitzungen, doch stehe vor allem die Aufgabe im Vordergrund. „Wir sind schließlich nicht zur Freizeit hier“, ergänzt K.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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