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Weltverfolgungsindex

Verfolgte Christen

Weltverfolgungsindex

Auf rund 100 Millionen schätzt das überkonfessionelle christliche Hilfswerk „Open Doors“ die Zahl jener Christen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden. In 40 der 50 Länder, die der jährlich herausgegebene „Weltverfolgungsindex“ auflistet, macht die Organisation „islamischen Extremismus als eine oder die maßgebliche Triebkraft für die Verfolgung“ aus. Neun der ersten zehn Staaten auf dieser Liste sind – nach Nordkorea auf Platz eins – Länder mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit oder bedeutender muslimischer Minderheit. Darunter sind etwa Syrien, Sudan, Eritrea und Nigeria sowie Somalia, Irak, Iran, Afghanistan und Pakistan, die den Islam entweder als offizielle oder als Staatsreligion in ihrer Verfassung festgeschrieben haben.

Syrien und Irak

Die Organisation spricht davon, dass zusätzlich zu gewaltsamen Übergriffen schleichende Islamisierung und die damit einhergehende Radikalisierung von Teilen der Bevölkerung die christlichen Minderheiten unter wachsenden Druck setzen würden. Das relativ große Maß an Freiheit etwa für syrische Christen in der Zeit vor dem Bürgerkrieg habe durch das Kalifat des „Islamischen Staates“ (IS) ein Allzeittief erreicht. Von den 1,8 Millionen Christen aus der Zeit vor dem Bürgerkrieg würden nur noch 1,1 Millionen in Syrien leben, viele davon als Flüchtlinge im eigenen Land. Auch in Teilen des Iraks habe der IS Christen, Jesiden, Schiiten und Angehörige anderer Minderheiten vertrieben, viele seien grausam ermordet oder versklavt worden.

Iran und Türkei

Auch der Iran, der im vergangenen Jahr noch an 9. Stelle auf dem Index notierte, ist auf Platz 7 vorgerückt. Anders als in Ländern wie Syrien oder Nigeria gehe die Verfolgung hier jedoch vom Regime selbst aus. Sorge bereitet den Herausgeber des Indexes zudem der Blick in die Türkei: Nach dreijähriger Abwesenheit kehre das Land unter die ersten 50 Länder des Weltverfolgungsindexes zurück. Wesentlich beigetragen zu der aktuellen Verschlechterung habe der wachsende islamische Nationalismus durch Präsident Erdogans „Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung“ (AKP).

Abkehr vom Glauben

Aufmerksam beobachtet „Open Doors“ zudem den Umgang mit jenen Menschen, die sich vom Islam abwenden. Für Apostasie, also die Abkehr vom Islam, droht in einigen muslimischen Ländern die Todesstrafe. Obwohl viele muslimische Staaten die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und damit das Recht auf Religionsfreiheit und -wechsel anerkannt hätten, ermögliche dies nach islamischem Verständnis zwar einem Juden oder Christen Muslim zu werden, nicht aber einem Muslim Christ zu werden. Die 1990 von den Mitgliedstaaten der Organisation der Islamischen Konferenz beschlossene „Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam“ stelle die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte unter den Vorbehalt der Übereinstimmung mit der Scharia.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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