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joh/scr
Islamistische Gruppen

Al-Qaida/Al-Nusra-Front

Das global operierende Terrornetzwerk Al-Qaida ist unter anderem Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 in den USA. Der Saudi-Araber Osama bin Laden (1957-2011) gründete es im August 1988 während des Afghanistan-Krieges als losen Zusammenschluss junger Muslime, die am Kampf gegen die sowjetischen Invasoren teilgenommen hatten. Mitte der 1990er-Jahre verbündete bin Laden sich mit der ägyptischen Dschihad-Organisation unter Führung des heutigen Al-Qaida-Chefs Aiman as-Zawahiri. Damals beschlossen die Partner, ihre Strategie zu internationalisieren und den gemeinsamen Feind, die USA, anzugreifen. Die Amerikaner sollen durch Terroranschläge zum Rückzug aus Saudi-Arabien und anderen arabischen Ländern bewegt werden. Ziel ist es außerdem, Israel zu vernichten und in den „befreiten“ islamischen Staaten einen Gottesstaat zu errichten. Al-Qaida ist heute ein loses Netzwerk mit weitgehend autonom agierenden Zellen in zahlreichen Ländern. Zu ihm gehören unter anderem die Gruppen im Mahgreb, im Jemen sowie die in Syrien operierende Al-Nusra-Front.

Islamischer Staat (IS)

Der „Islamische Staat“ hat seine Wurzeln im Widerstand gegen die US-amerikanische Intervention im Irak im Jahr 2003 und die neue irakische Regierung. Damals wurde das Land zum Sammelbecken für Islamisten aus aller Welt. 2004 wurde die sunnitische Terrororganisation aktiv und verübte im Irak schwere Attentate. Ziel ist es, einen Gottesstaat (Kalifat) im Nahen Osten zu errichten. Er soll das Gebiet der Staaten Syrien, Irak, Libanon, Israel, Palästina und Jordanien umfassen. Große Gebiete in Syrien und dem Irak hat der IS bereits unter seine Kontrolle gebracht – und das mit äußerster Brutalität. Im Juni 2014 rief er das Kalifat unter Führung des Irakers Abu Bakr Al-Baghdadi aus. Das religiöse Gesetz des Islams, die Scharia, wird auf diesem Gebiet radikal ausgelegt. Seit Juli 2014 bekämpft eine US-geführte Koalition im Irak die Terrorgruppe durch Luftschläge.

Hisbollah

Die im Libanon operierende schiitische Hisbollah entstand 1982 als Reaktion auf die damalige israelische Besatzung. Sie besteht aus einer Miliz, die unter anderem von der EU als terroristische Vereinigung eingestuft wird, und einer Partei, die mit 14 Abgeordneten im libanesischen Parlament vertreten ist. Die Hisbollah-Miliz lehnt das Existenzrecht Israels ab. Sie ist für zahlreiche Anschläge auf die israelische Armee verantwortlich; bei vielen weiteren Anschlägen gegen jüdische und westliche Einrichtungen wird ihre Beteiligung vermutet. Eine UN-Resolution sieht seit 2006 die Entwaffnung der Hisbollah und anderer Milizen im Libanon vor, jedoch wurde sie bis heute nicht umgesetzt. Unterstützung erhält die Organisation von Syrien und dem Iran. Einheiten der Hisbollah kämpfen derzeit in Syrien auf Seiten der Regierungstruppen.

Hamas

Die „Islamische Widerstandsbewegung“ (kurz: Hamas) wurde 1987 als palästinensischer Zweig der ägyptischen Muslimbruderschaft gegründet (siehe Text unten links). Seit ihrem Wahlsieg im Jahr 2006 regiert sie den Gaza-Streifen. Hochrangige Mitglieder haben wiederholt den Holocaust geleugnet. Gewalt sieht sie als legitimes Mittel an, um ihr Ziel, die die Vernichtung Israels, zu erreichen; zahlreiche Selbstmordattentate und Raketenangriffe gehen auf ihr Konto. Weil die Hamas sich in Gaza auch sozial engagiert, Arme unterstützt und Schulen betreibt, genießt sie in weiten Teilen der Bevölkerung großen Rückhalt. Ende August 2014 endete nach 50 Tagen der Krieg zwischen Israel und der Hamas. Dabei starben mehr als 2.100 Palästinenser und 70 Israelis.

Boko Haram

Boko Haram (übersetzt: „Westliche Bildung ist Sünde“) ist eine islamistische Terrorgruppe, die vor allem im Norden Nigerias operiert. Ihr Ziel ist unter anderem die Einführung der Scharia im ganzen Land. Vorbild sind die afghanischen Taliban. Entstanden Mitte der 2000er-Jahre macht die Gruppe vor allem durch blutige Massaker an Christen und Muslimen sowie Kämpfen mit der Armee von sich reden. Internationale Aufmerksamkeit erregte sie durch die Entführung von mehr als 200 Frauen und Mädchen aus einer Schule im April 2014. Im März 2015 hat Boko Haram sich formell dem „Islamischen Staat“ angeschlossen. Derzeit kämpft eine multinationale Truppe gegen die Terrororganisation, allerdings mit mäßigem Erfolg.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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