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Hospize
Götz Hausding
Mit Würde in der letzten Lebensphase

Alle Fraktionen plädieren für eine flächendeckende Versorgung

Auch das Sterben gehört zum Leben. Dieser Einsicht folgend plädieren die Grünen für den Ausbau und die Verbesserung der Palliativ- und Hospizversorgung in Deutschland. In einem dazu vorgelegten Antrag (18/4563), der vergangene Woche in erster Lesung beraten wurde, verweist die Fraktion auf die Ängste vieler Menschen, unter unwürdigen Bedingungen, unter Schmerzen oder einsam die letzten Lebensmonate zu verbringen und zu sterben. „Diese Ängste nehmen wir ernst, auch wenn manche unbegründet sein mögen“, schreiben die Grünen und fordern, die Würde des Menschen am Lebensende und den Erhalt größtmöglicher Autonomie ins Zentrum der Versorgung zu rücken. Trotz aller erreichten Fortschritte sei noch immer die Palliativ- und Hospizversorgung für viele Menschen nicht ausreichend zugänglich oder zu wenig bekannt, heißt es in dem Antrag weiter. In strukturschwachen und ländlichen Regionen existiere kein flächendeckendes und hinreichend finanziertes Versorgungsangebot, wird kritisiert.

Symbolische Bedeutung Elisabeth Scharfenberg (Grüne) warnte während der Debatte davor, das Thema Hospiz- und Palliativversorgung mit den Diskussionen um die aktive Sterbehilfe zu vermengen. „Die Debatte zur Palliativ- und Hospizversorgung hat eine hohe symbolische Bedeutung“, sagte sie. Bei „schönen Worten“ und „symbolischen Maßnahmen“ dürfe es jedoch nicht bleiben, machte Scharfenberg deutlich. Einige der Regelungen in dem von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vorgelegten Gesetzentwurf zur Palliativ- und Hospizversorgung ließen bedauerlicherweise jedoch genau diesen Eindruck entstehen, bemängelte sie.

Emmi Zeulner (CSU) brachte die Palliativ- und Hospizversorgung dennoch mit den Regelungen zur Suizidbeihilfe in einen Zusammenhang. Gerade vor dem Hintergrund der Sterbehilfe sei es wichtig, Palliativ- und Hospizversorgung allen Menschen zugänglich zu machen. „Für eine selbstbestimmte Entscheidung am Lebensende ist es wichtig, zuerst alle Möglichkeiten der Palliativ- und Hospizversorgung ausschöpfen zu können“, sagte sie. Daher sei Aufklärung wichtig, die im Gesetz der Bundesregierung auch festgeschrieben sei.

Von einer nicht hinnehmbaren „Zwei-Klassen-Betreuung“ sprach Pia Zimmermann (Die Linke). So hätten derzeit diejenigen, die in Pflegeheimen leben, keinen Anspruch auf eine Hospizversorgung. „Das ist eine gravierende Ungleichbehandlung von Menschen in ihrer letzten Lebensphase“, sagte Zimmermann.

Die Palliativ- und Hospizversorgung könne vieles leisten, sagte Helga Kühn-Mengel (SPD). „Oft wird der Suizidgedanke aufgegeben. Manche bekommen sogar wieder Lebensmut“, sagte sie. Das müsse man den „Strafrechtslehrern“, die sich zu dem Thema geäußert hätten, deutlich machen, forderte sie.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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