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Kurz rezensiert

Autonomie und Freiheit, die beiden zentralen Werte moderner demokratischer Staaten, müssen verteidigt werden! Diesen dringenden Appell richten Michael Pauen und Harald Welzer in ihrem großartigen Buch an die Bürger der westlichen Demokratien. Sie verweisen auf die Wahrnehmungen des Privaten in den 1980er Jahren und vergleichen sie mit dem heutigen "informationellen Totalitarismus". Vor 30 Jahren konnte eine Volkszählung nicht stattfinden, weil die Öffentlichkeit keine "Gläsernen Bürger" wollte. In Zeiten von Facebook, Google und Amazon schaffen wir die Privatsphäre jedoch freiwillig ab, das Einschalten des Mobiltelefons liefert ein Vielfaches der Daten, die man dem Staat früher selbstbewusst verweigerte.

Eindringlich warnen Pauen und Welzer vor einer Informationsindustrie, die das wirtschaftliche und politische Verhalten der Menschen fremdsteuere und so deren Selbstbestimmung radikal untergrabe. Dieser neue Totalitarismus komme scheinbar unideologisch und ohne Uniform daher. Charakteristisch für das neue Regime sei die Erosion zwischen privater und staatlicher Verfügungsmacht über die Daten. Begründet werde der Datenhunger mit der überaus freundlichen Absicht, die Welt für die Menschen immer noch ein bisschen "besser" und bequemer zu machen.

Pauen und Welzer kritisieren auch die Vorstellung, Politiker sollte sowohl in ihrem privaten als auch beruflichen Kontexten immer und überall "gläsern" sein. Dieser Anspruch sei ebenso totalitär wie die Vorstellung vom gläsernen Bürger.

Pflichtlektüre in der Schule sollten jene Kapitel des Buches über die Verteidigungsregel der Autonomie werden: Jedem müsse widersprochen werden, der Sicherheit gegen Freiheit ausspiele. Nur freie Gesellschaften könnten ihren Mitgliedern Sicherheit garantieren. Die größte Gefahr für die menschliche Autonomie seien aber nicht die staatlichen Sicherheitskräfte, sondern die Bürger, die freiwillig auf ihre Souveränität verzichten.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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