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MEDIEN
Susanne Kailitz
Optimismus im Land der Zeitungsleser

Experten bescheinigen Qualitätsjournalismus gute Chancen im digitalen Zeitalter

Hat Qualitätsjournalismus im Zeitalter der Digitalisierung eine Chance? Fünf Sachverständige, die der Ausschuss für Kultur und Medien in der vergangenen Woche dazu befragt hat, bejahen die Frage klar: Vermutlich werde das Medienangebot individualisierter, vielfältiger und interaktiver, lautete die Prognose.

Susann Hoffmann, Geschäftsführerin der Online-Plattform Edition F, sagte, es werde in Zukunft um "Nische statt Mainstream" gehen. Die Leser würden immer stärker zu Programmdirektoren, die weniger konsumierten als interagierten. Medienkonzerne und Verlage sollten nicht nur die Kooperation mit großen Unternehmen sondern auch kleinen Start-up-Firmen suchen. Grundsätzlich gelte angesichts vieler Gründungen vor allem eine Feststellung, sagte Hoffmann: "Der Journalismus lebt."

Erhaltung der Vielfalt Diese Einschätzung teilte auch Dietrich von Klaeden, Head of Public Affairs bei Axel Springer. Deutschland sei mit 353 verschiedenen Tageszeitungen und ihren rund 1.000 verschiedenen Unterausgaben "das Land der Zeitungsleser". Er forderte die Politik dazu auf, die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass diese Vielfalt auch in der digitalen Welt erhalten bleibe. Dafür seien insbesondere gesetzliche Klarstellungen dort nötig, wo es um "marktbeherrschende Plattformen" wie Google gehe. Die Suchmaschine nutze ihre Stellung bei der Darstellung von Verlagsinhalten in Suchergebnissen aus: Nur diejenigen, die dabei auf eine Vergütung verzichteten, würden umfassend dargestellt. Von Klaeden appellierte deshalb an die Abgeordneten, nicht "auf Europa" zu warten, sondern mit entsprechenden Reformen des Wettbewerbs- und Urheberrechts "schnell tätig zu werden".

Auch Susanne Pfab, Generalsekretärin der ARD, sprach sich für Neu- und Deregulierungen im Medienbereich aus. Die ARD setze in ihrer digitalen Strategie vor allem darauf, dort Angebote zu machen, "wo die Nutzer sind", und auf Personalisierung. Die Aufgabe der ARD sei es, exklusive Qualitätsinhalte anzubieten und so ein "trusted guide" für die Nutzer zu sein.

Für Tobias Schmid, Bereichsleiter Medienpolitik der Mediengruppe RTL Deutschland GmbH, bietet die Digitalisierung viele Vorteile für die Konsumenten: Jeder könne audiovisuelle Inhalte zu jeder Gelegenheit nutzen und Angebote "auf allen möglichen Wegen" finden. Für Medienunternehmen werde es deshalb in Zukunft immer wichtiger sein, sich auf ihre Alleinstellungsmerkmale zu konzentrieren. Dies mache ein großes Investment nötig - und dafür sei ein "stabiles Urheberrecht von elementarer Bedeutung".

Wenig Zahlungsbereitschaft Von "Nutzern der neuen Generation" sprach Tobias Schulze-Homberg, Leiter der Abteilung Elektronische Medien bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Sie würden Inhalte auf unterschiedlichen Kanälen nachfragen, damit sinke die Loyalität zum klassischen Anbieter. Gleichzeitig sei die Zahlungsbereitschaft für Inhalte im Netz allerdings gering. Die Verlage müssten deshalb auf allen Kanälen "omnipräsent" sein und zum anderen zunehmend auf den Verkauf von Einzelartikeln setzen. Die "klassischen Pakete", mit denen man lange Jahre habe gutes Geld verdienen können, müssten heute in kleinere Einheiten aufgeteilt werden - dies sei Fakt, auch wenn er es "nicht gern" sage, so Schulze-Homberg.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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