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Gastkommentare - Pro

Lohnender Versuch

Wird die Bundeswehr attraktiv genug?

Das Attraktivitätsgesetz Ursula von der Leyens bietet Anlass für Häme: „Bundeswehr familienfreundlich machen?! Wie zynisch, als wäre der Krieg familienfreundlich!“, und so weiter. Doch diese Kritik ist, mit Verlaub, billig. Die Bundeswehr muss jetzt um fitten Nachwuchs konkurrieren, und das Gesetz ist geeignet, ihre Chancen dabei zu verbessern. Nicht umsonst fällt auch der letzte Bericht des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus an dieser Stelle wohlwollend aus.

Von der Leyen wirbt für den Arbeitgeber Bundeswehr nicht nur mit anstrengenden Kita-Fotos. Sondern sie dreht mit ihrem Gesetz an zwei entscheidenden Schrauben: Zeit und Geld. Die Arbeitszeit wird beschränkt, Teilzeit gefördert, und gerade die qualifizierten Jobs werden besser bezahlt.

Nun ist die soziale Absicherung bei der Truppe bereits ausgesprochen gut. Doch öffnet das Gesetz auch andere Schleusen: Künftig dürfen die im Schnitt mit 54 Jahren verrenteten Soldaten ohne Abstriche in der Privatwirtschaft Geld verdienen. Und Familienfreundlichkeit wird zu Ende gedacht: Im Scheidungsfall werden Belastungen reduziert.

Klar: Vom Arbeitgeber Bundeswehr lässt sich niemand überzeugen, den es vor Bürokratie, Umzügen und Pendelei graust. Dass Auslandseinsätze zur Jobbeschreibung gehören, ist allen bekannt. Doch eben deshalb sind die Vorzüge des Soldatendaseins zuletzt etwas unterbelichtet gewesen.

Wird nun die Botschaft der finanziellen und sozialen Polsterung wieder stärker verbreitet, lassen sich vielleicht Leute anlocken, denen – bei vollem Bewusstsein der Gefahren eines Auslandseinsatzes – die Bundeswehr interessanter scheint als die Karrieremühlen und unsicheren Rentenaussichten des freien Arbeitsmarkts. Den Versuch ist es wert.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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