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Gastkommentare - Contra

Unzureichend

Es ist richtig, dass die Verteidigungsministerin mit ihrer Attraktivitätsoffensive neue Anreize schaffen will, sich bei der Bundeswehr zu bewerben. Denn die Bedingungen, unter denen Soldaten teilweise ihren Dienst ableisten, sind eines modernen Arbeitgebers unwürdig. Ein besserer Wohnstandard, mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten und höhere Zulagen (wenigstens für ausgewählte Soldaten) sind überfällig. Aber reicht das, um Jahr für Jahr ohne Wehrpflicht tausende junge Menschen für den Dienst an der Waffe zu gewinnen? Kaum.

Abgewohnte Stuben zu modernisieren entspricht eher der Fürsorgepflicht des Dienstherren als dem großen Wurf, der die Bundeswehr zu einem modernen Arbeitgeber macht. Hier etwas zu tun, ist die notwendige Bedingung, um im demografischen Wandel überhaupt noch eine stattliche Anzahl junger Menschen für die Truppe zu begeistern. Hinreichend ist es nicht.

Denn trotz der Attraktivitätsoffensive muss in der Bundeswehr vieles zeitgemäßer gestaltet werden. Die vielen, teils unverständlichen Versetzungen. Unzeitgemäße Einschränkungen wie der „Tattoo-Erlass“, in der Hitze der Einsatzgebiete teilweise die Haut abzudecken. Erst wenn diese bürokratische Haltung überwunden wird, kann sich die Bundeswehr als „moderne Arbeitgeber“ sehen.

Am Ende entscheidet ein potenzieller Rekrut aber vor allem, ob er bereit ist, mit der Waffe das eigene Land zu verteidigen. Diese Grundsatzentscheidung ist eine Gewissensentscheidung. Dabei geht es auch um das Ansehen des Soldaten und die Akzeptanz des Berufes in der Gesellschaft. Würden die verbessert, dürfte das für viele Bewerber weit motivierender sein als eine hübsche, neue Stube.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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