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Wirtschaft II
Hans-Jürgen Leersch
Strompreisanstieg nicht so schlimm

Belastung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung gleich geblieben

Die starken Erhöhungen des Strompreises in Deutschland relativieren sich wieder, wenn die Belastung ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt gesetzt wird. In einer Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Energie führte Professor Andreas Löschel, der Vorsitzende der Expertenkommission zum Monitoring Prozess „Energie der Zukunft“, in der vergangenen Woche aus, dass sich die Belastung der Strom-Letztverbraucher in den vergangenen Jahren von 40 auf 70 Milliarden Euro erhöht habe.
Löschel wies aber darauf hin, dass andere Indikatoren das Bild differenzieren würden. Würden bei Unternehmen die Energiestückkosten betrachtet, falle der Anstieg aufgrund der Effizienzmaßnahmen weniger stark aus. Und gemessen am Bruttoinlandsprodukt sei der Anteil der Stromausgaben mit 2,5 Prozent in den letzten Jahren stabil geblieben.

Kommissionsmitglied Hans-Joachim Ziesing sah gewisse Erfolge bei der Energiewende in den Bereichen Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Die klimapolitischen Ziele könnten jedoch verfehlt werden. Insbesondere der Verkehrssektor bleibe hinter den Zielen zurück. Und auch im Wärmesektor gebe es Defizite.

Der Ausschuss nahm den von der Bundesregierung als Unterrichtung (18/3487) vorgelegten „Ersten Fortschrittsbericht Energiewende“ zur Kenntnis. Darin heißt es, die erneuerbaren Energien seien erstmals wichtigster Stromerzeuger in Deutschland geworden. Von Jahresanfang bis August 2014 habe die kumulierte Bruttostromerzeugung aus erneuerbaren Energien
109 Terawattstunden betragen.

Der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch habe 2013 bei 25,3 Prozent gelegen, berichtet die Regierung. Im Jahr 2025 soll dieser Anteil auf 40 bis 45 Prozent steigen. Der Anteil der Windenergie am Bruttostromverbrauch in Deutschland habe 2013 8,7 Prozent betragen, der Anteil der Biomasse bei 7,9 Prozent, der Anteil der Photovoltaik bei
5,2 und der Anteil der Wasserkraft bei
3,5 Prozent.

Die CDU/CSU-Fraktion sah die Energiewende auf einem guten Weg. So komme der Ausbau der erneuerbaren Energien voran. Dagegen warnte die Linksfraktion vor einer Verfehlung der Klimaziele und diagnostizierte „politisches Versagen“. Die Grünen-Fraktion erklärte, dass die Bundesregierung bei der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) stark verzögere. Auf Fragen der SPD-Fraktion nach einer Bewertung der KWK erklärte Kommissionsmitglied Ziesing, die Kraft-Wärme-Kopplung auf fossiler Basis könne wegen der Auswirkungen auf das Klima keine langfristige Lösung sein.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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