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Vor 35 Jahren...
Benjamin Stahl
Nach der KPD ist vor der KPD

8.3.1980: Kommunistische Partei beschließt Auflösung „Heute, wo sich nur einige hundert Genossen zur KPD bekennen, liegt deutlich eigentlich auf der Hand, daß uns die Gebilde unseres Kopfes über den Kopf gewachsen sind“, schrieb die „Rote Fahne“, das Parteiblatt der KPD schon Anfang 1980. „Daraus kann nur folgen, die KPD auf dem dritten Parteitag aufzulösen.“ Eine Überraschung war es also nicht, als die Delegierten am 8. März 1980 tatsächlich die Auflösung beschlossen. Ein Eingeständnis des Scheiterns nach nur zehn Jahren.

Erst 1970 hatte man die maoistische KPD unter dem Parteivorsitzenden Christian Semler gegründet. Eine Zeit, in der sich in der Bundesrepublik nach dem KPD-Verbot von 1956 wieder kommunistische Parteien bildeten – und man leicht den Überblick verlieren konnte: Schon im Oktober 1968 konstituierte sich mit der DKP (Deutsche Kommunistische Partei) die Nachfolgerin der 1956 verbotenen KPD, die wiederum als Erbe der 1918 gegründeten Ur-KPD gilt. Im Dezember 1968 folgte die KPD/ML (Marxisten-Leninisten), 1973 der Kommunistische Bund Westdeutschland (KBW). Viele Parteien, für ein kleines Wählerpotenzial. Bei ihrer einzigen Teilnahme an Bundestagswahlen holte Semlers KPD 1976 nur 0,1 Prozent. Dass die KPD fiel, hatte noch mehr Gründe. Die gescheiterten Fusionsversuche mit der KPD/ML etwa. Oder dass man durch Gewalt auffiel und die Partei als „kriminelle Vereinigung“ eingestuft wurde. Ihr Name war dennoch begehrt: Nach der Auflösung der KPD strich die KPD/ML umgehend das „ML“ aus ihrem Namen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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