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Aufgekehrt
Alexander Weinlein
Besenstiele an die Memel

Deutsche Panzer haben weltweit ja bekanntlich einen Ruf wie Donnerhall. Erworben wurde dieser Ruf zwar auf reichlich unrühmliche Art, aber Fakt ist, dass die Begehrlichkeiten nach den Stahlkolossen aus deutschen Waffenschmieden immens sind. In der vergangenen Woche sorgte eine Anfrage aus Litauen jedoch für einige Aufgeregtheiten. Der Nato-Partner, der seine Sicherheit durch die Politik Russlands in der Ukraine-Krise bedroht sieht, würde offenbar gerne der Bundeswehr direkt einige ihrer neuen Transportpanzer vom Typ „Boxer“ abkaufen. Doch die Bundesregierung sagte Nein. Litauen könne zwar gerne „Boxer“ kaufen, aber dann doch bitte beim Hersteller. Die Truppe brauche ihre „Boxer“ selbst.

Dies rief den sicherheitspolitischen Sprecher der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament auf den Plan. Mit deutlichen Worten forderte er die Bundesregierung auf, ihre Entscheidung zu korrigieren: „In der aktuellen Lage erfüllen die ‚Boxer‘ ihre Funktion besser am Nordufer der Memel als am Westufer des Rheins“, ließ der Abgeordnete verlauten. Das wirft dann doch Fragen auf. Zum Beispiel, was einen linksrheinischen von einem rechtsrheinischen „Boxer“ unterscheidet? Die Antwort könnte in der Meldung stecken, dass erst kürzlich eine findige „Boxer-“Besatzung das fehlende Rohr ihrer Waffenanlage während eines Nato-Manövers kurzerhand mit einem angemalten Besenstiel ersetzten musste. Und die Litauer wollen Wladimir Putin ja sicher nicht mit einem Besenstiel abschrecken. Aber wer weiß? Vermag ein deutscher Besenstiel seine Aufgabe überall zu erfüllen? Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt?

Aus Politik und Zeitgeschichte

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