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Abgehängter Weltmeister

Schüler haben Defizite bei digitalen Medien

Das deutsche Schul- und Bildungswesen soll verstärkt Kompetenzen im Umgang mit der digitalen Medienwelt vermitteln. Dies war der einhellige Tenor während der Debatte am vergangenen Donnerstag über einen entsprechenden Antrag, den die Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD eingebracht hatten. Union und SPD fordern die Bundesregierung auf, gemeinsam mit den Bundesländern einerseits die notwendige technische Infrastruktur – etwa durch den Ausbau des Breitbandnetzes – zu schaffen. Zudem müssten bundeseinheitliche Mindeststandards zur Informations- und Medienkompetenz in den Lehrplänen verankert und das Lehrpersonal entsprechend ausgebildet werden. Die Oppositionsfraktionen begrüßten zwar prinzipiell die Zielsetzung des Antrags, bezeichnete ihn jedoch als zu wenig konkret und unzureichend.

Der CDU-Bildungspolitiker Sven Volmering verwies auf die Ergebnisse der im November 2014 veröffentlichten ILCILS-Studie zum Wissen und Umgang von Schülern mit digitalen Medien, bei der Deutschland im internationalen Vergleich nur im Mittelfeld gelandet sei. Nur 30 Prozent aller Kinder hätten in deutschen Schulen regelmäßig Kontakt mit Computern, der internationale Mittelwert liege bei 52 Prozent. Der Fußballweltmeister des Jahres 2014 hinke den Weltmeistern beim Umgang mit digitalen Medien hinterher. Seine SPD-Kollegin Esken warnte vor der „digitalen Spaltung“ der Gesellschaft, die entlang der sozioökonomischen Verhältnisse und dem Bildungsstand der Menschen verlaufe. Neben dem Ausbau der Infrastruktur müssten deshalb vor allem die medienpädagogische Ausbildung der Lehrkräfte verbessert und entsprechende Mindeststandards in den Lehrplänen verankert werden.

KooperationsverbotDie bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Rosemarie Hein, und der Grünen-Abgeordnete Özcan Mutlu kritisierten den Antrag der Koalition als unzureichend. Er sei zwar „gut gemeint“, aber nicht geeignet, um „der Misere ein Ende zu setzen“, sagte Mutlu. Die Koalition beschränke sich weitgehend auf Appelle, lade das Problem aber letztlich bei den Ländern ab, sagte Hein. Die Digitalisierung in der Bildung bleibe so wie das gesamte Bildungssystem ein Flickenteppich. Den Schulen helfe der Breitbandausbau nicht, wenn sie nicht über ausreichend Computer verfügten. Der Bund müsse den Ländern stärker unter die Arme greifen. Auch Mutlu forderte ein größeres Engagement des Bundes. Das Thema digitale Bildung schreie „nach der Abschaffung des Kooperationsverbotes“.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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