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Alexander Heinrich
Kindergärten für Malawi

Die Kindernothilfe setzt sich für die Förderung der frühkindlichen Bildung in Entwicklungsländern ein. Die Wirtschaftskraft eines Landes profitierte von ihr mehr als jede spätere Investition im Bildungsbereich, sagte Kindernothilfe-Vertreterin Dorothea Schönfeld vergangene Woche im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Die Organisation betreibt ihrer Auskunft nach frühkindliche Bildung, sorgt für "Bildung von unten" und legt den Grundstein für spätere Lernleistungen wie überhaupt für den späteren Platz in der Gesellschaft. Trotz dieser "riesigen Chance" gerade für ärmere Länder sei die frühkindliche Bildung nach wie vor ein Stiefkind der Entwicklungszusammenarbeit. Weltweit würden für sie nur rund 0,5 Prozent der Mittel aufgebracht, in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit seien es zwei Prozent. Ziel müsse es sein, die frühkindliche Bildung mit "ihren großen positiven Auswirkungen auf alle Sektoren" mit zehn Prozent der Mittel zu fördern, sagte Schönfeld. Sie verwies auf die Erkenntnisse aus der Wissenschaft, nach denen 80 Prozent der Synapsengenese im menschlichen Gehirn bis zum sechsten Lebensjahr abgeschlossen seien. Entwicklungsrückschritte in diesem Lebensabschnitt führten zu kaum aufholbaren Defiziten.

Gibson Nkanaunena, der für die Hilfsorganisation World Relief und mit Unterstützung der malawischen Regierung Projekte der frühkindlichen Bildung in dem südostafrikanischen Land betreut, berichtete von einem besseren Start in der Schule sowie deutlich weniger Schulabbrüchen bei Kindern, die bereits in jüngsten Jahren in den Genuss von Bildungsangeboten gekommen seien. Zudem hätte sich die Kindereinrichtungen positiv auf den Zusammenhalt und das Sozialleben der Gemeinden ausgewirkt. Dennoch hätten in Malawi nur rund drei Prozent aller Kinder Zugang zu solchen Einrichtungen: "Hier muss mehr getan werden", sagte Nkanaunena. Sie regte an, das Thema frühkindliche Bildung stärker in den Fokus der Entwicklungszusammenarbeit zu stellen. "Wir würden sonst den Kindern Chancen versagen".

Der Erziehungswissenschaftler Reinhard Markowetz von der Ludwig-Maximiliams-Universität München bezeichnete frühkindliche Bildungsangebote als "Eintrittskarte ins Leben". Er betonte, dass Bildung zuallererst ein Menschenrecht sei. Wenn Volkswirtschaften davon profitieren - "und das ist so" - dann sei dies "ein zusätzlicher Joker" beim Eintreten für frühkindliche Bildungsangebote auch in Entwicklungsländern.ahe

Aus Politik und Zeitgeschichte

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