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KURZ REZENSIERT
Sören-Christian Reimer
Kurz rezensiert

Carlo Strenger: Zivilisierte Verachtung, Suhrkamp Verlag, Berlin 2015; 104 s., 10 €

Die Welt ist bekanntlich kein Billy-Regal. Eine "Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit" muss man sich also etwas komplizierter vorstellen als einen illustrierten Beipackzettel des schwedischen Möbelhauses. Carlo Strengers Essay "Zivilisierte Verachtung" liefert daher zunächst eine Antwort darauf, wie die Auseinandersetzung mit kulturellen Vorstellungen, die den Werten des Westens, etwa in Hinblick auf Meinungs- und Kunstfreiheit, entgegenstehen, nicht funktioniert. Wie beim Billy gilt: Nicht ignorant mit dem Vorschlaghammer draufschlagen!

Damit scheiden für den an der Universität Tel Aviv lehrenden schweizerisch-israelischen Professor die selbsternannten Retter des Abendlandes - ob nun in Gestalt der Le Pens in Frankreich, der Schweizer Volkspartei oder der Pegida-Bewegung in Deutschland - aus. Deren Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und/oder Islamophobie stelle nämlich selbst eine Gefahr für jene Werteordnung dar, die sie zu verteidigen glaubten.

Anstatt mit dumpfer Verachtung gegenüber dem Fremden will Strenger den kulturellen Herausforderungen filigraner mit "zivilisierter Verachtung" begegnen: Wissensbasierte Argumentation, die sich zwar in der Sache hart gegen problematische Meinungen, Glaubensinhalte oder Werte richtet, dabei aber ohne Hass und Dehumanisierung auskommt. Dazu müsse sich der Westen, insbesondere in Gestalt der politischen Linken und der Liberalen, aber erstmal wieder seiner selbst positiv bewusst werden und den Werkzeugkasten der Aufklärung studieren und neu sortieren. Zu überkommen sei das aus einem falschen Verständnis des Toleranz-Prinzips entstandene Dogma der "Politischen Korrektheit", das viele von einer Kritik anderer kulturellen Vorstellungen zurückschrecken lasse.

Auch wenn Carlo Strengers Aneignung dieses Kampbegriffes der politischen Rechten nicht ganz geglückt erscheint, so lässt seine Anleitung zumindest gut erahnen, wie eine Verteidigung der Freiheit am Ende aussehen könnte. .

Aus Politik und Zeitgeschichte

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