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Gastkommentare - Pro

Eine Frage der Würde

Sterbehilfe gesetzlich zulassen?

Die Frage nach dem Sterben macht Angst: Wie wird der Tod kommen? Leise und friedlich? Im Schlaf, im Beisein der Liebsten? Doch was, wenn das Sterben lange dauert, begleitet von Schmerzen und Qual? Wenn der Tod nicht in Würde geschieht? Dann sollte jeder das Recht haben, über das Ende seines Lebens selbst zu entscheiden.

Selbstbestimmung ist in unserer Gesellschaft ein hohes Gut. Sie sollte auch im Sterben gelten. Doch mit der bisherigen Regelung zur Sterbehilfe ist das nicht möglich: Die Freiheit des einzelnen endet vor dem Tod. Aber genau das ist es, was die Angst schürt: Nicht nur mögliche Qualen am Ende des Lebens, sondern sie aushalten zu müssen - ohne das zu wollen. Deshalb sollte es aktive Hilfe beim eigenen Sterben geben dürfen.

Denn Todkranke, bei denen es nicht mehr um die Frage nach Leben und Tod, nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie geht, sollten sich für den eigenen Tod entscheiden dürfen - mit Hilfe von Ärzten. Denn wer könnte schon beurteilen, welche Schmerzen noch ertragbar sind und welche nicht? Das heißt noch lange nicht, dass aktive Sterbehilfe die Todesrate nach oben treiben würde. Denn sie wäre ein Angebot. Nicht mehr.

Natürlich muss es vor allem auch Hilfe zum Leben geben. Und da ist es gut, dass der Bundestag die Palliativversorgung und Hospize endlich gesetzlich gestärkt hat, dass die Schmerzbehandlung und Begleitung beim Sterben besser geregelt wird. Doch das reicht nicht aus.

Der Freitod als letzte Option. Mit Hilfe von Ärzten oder Sterbehilfevereinen. Mit ausführlicher Begleitung. Und natürlich strenger gesetzlicher Kontrolle. Wäre aktive Sterbehilfe in Deutschland möglich, könnte auch das in Würde sterben bedeuten.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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