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Gastkommentare - Contra

Der Dammbruch?

Sterbehilfe gesetzlich zulassen?

Selbstbestimmung ist ein großes Wort. In der Sterbehilfe-Debatte erhält seine Verwendung zudem einen Beigeschmack von Zynismus. Die Tür, die im Namen der Selbstbestimmung des Patienten geöffnet werde, so formulierte es der Sozialethiker und frühere EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber, führe zu offener oder versteckter Fremdbestimmung - vor allem, wenn Schwerkranke spüren, dass sie zu einer Belastung für ihre Angehörigen geworden sind.

Suizid-Handlungen verführen überdies Menschen in Krisen zur Nachahmung. Das ist seit Goethes "Leiden des jungen Werther" bekannt. Statistiken belegen es: Überall, wo geschäftsmäßig assistierter Suizid angeboten wird, etwa im US-"Vorbildstaat" Oregon, in der Schweiz und den Niederlanden, steigt die Nachfrage deutlich an.

Gewiss, es gibt eine Freiheit des Einzelnen zum Tode. Daraus sei aber nicht zu folgern, dass der Suizid eine Handlung wäre, die es zu befördern oder gar vom Staat gutzuheißen gälte, gab der Palliativmediziner Stephan Sahm jüngst zu bedenken. Die Politik darf sich nicht zur Herrin über Leben und Tod machen. "Das Leben ist etwas, das auch die Politik trägt, aber nicht ihr Objekt sein kann. In den laufenden Debatten sehen wir aber einen Versuch, auf das Leben durch Regulation des Lebens zuzugreifen und damit die Politik zu entrechtlichen." (Professor Thomas Sören Hoffmann)

Wohin würde eine generelle Akzeptanz der Suizid-Unterstützung durch den Gesetzgeber führen? Zur Sterbehilfe als "normaler" medizinischer Dienstleistung, von der Krankenkasse bezahlt? Das wäre der ethische Dammbruch. Verständlich, dass sich Ärzte wehren. Sie sind Helfer im natürlichen Sterben, keine Tötungshelfer. Dabei muss es bleiben.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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