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Der WeG NACH DAYTON

Unabhängigkeit Die Führung der bosnischen Serben unter Radovan Karadzic lehnt 1992 die Unabhängigkeit von Bosnien-Herzegowina von Jugoslawien ab. Am 29. Februar und 1. März stimmen 99,4 Prozent in einem von den bosnischen Serben weitgehend boykottierten Referendum für die Unabhängigkeit des Landes. Am 3. März wird die Republik Bosnien und Herzegowina ausgerufen. EU und USA erkennen das Land am 6. und 7. April an.

Vertreibung Es folgen drei Jahre Krieg zwischen serbischen, kroatischen und bosniakischen Einheiten. Bis zum Sommer erobern serbische Einheiten 70 Prozent des Landes und beginnen mit den "ethnischen Säuberungen", der gewaltsamen Vertreibung der nichtserbischen Bevölkerung aus den besetzten Gebieten.

Friedenspläne Die UN-Unterhändler Cyrus Vance und David Owen legen Anfang 1993 einen Friedensplan vor, der bei Wahrung der Eigenstaatlichkeit des Landes einen in zehn Kantone dezentralisierten Staat vorsieht. Im Mai lehnt das Parlament der bosnischen Serben den Plan ab. Im August schlägt der Stoltenberg-Owen-Plan die Bildung einer Konföderation aus drei weitgehend unabhängigen Teilen vor. Die Serben sollen 51 Prozent des Territoriums erhalten. Diesen Plan lehnen die Bosniaken ab.

Föderation Die "Verträge von Washington" beenden im März 1994 die Auseinandersetzungen zwischen kroatischen und bosniakischen Truppen. In den von Bosniaken und Kroaten besiedelten Gebieten entsteht die "Föderation Bosnien und Herzegowina". Die internationale Kontaktgruppe, der auch Deutschland angehört, schlägt eine bosniakisch-kroatische Föderation auf 51 Prozent des Gebietes und eine serbische Republik auf 49 Prozent vor.

Neue Kämpfe Am 11. Juli 1995 marschiert die bosnisch-serbische Armee in die UN-Schutzzone Srebrenica ein. Bei den folgenden Massakern werden mehr als 8.000 Bosniaken getötet. Am 6. August 1995 erobern kroatische Truppen den Großteil der von Serben besetzten Gebiete in Kroatien zurück. Auch die Offensive der bosnischen Regierungstruppen vom 8. bis 17. September ist erfolgreich.

Kriegsende Die Kriegsparteien erklären sich unter dem internationalem Druck bereit, in Dayton (Ohio) Verhandlungen über eine Beendigung des Krieges zu führen. Sie dauern vom 1. bis 21. November. Am 14. Dezember 1995 wird der Friedensvertrag in Paris unterzeichnet.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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