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Ortstermin: IPS-Auswahlgespräche
Sören Christian Reimer
»Wir waren uns immer schnell einig«

Für jährlich rund 120 junge Menschen ist es eine Möglichkeit, den Deutschen Bundestag und seine Arbeitsweise aus nächster Nähe kennenzulernen: das Internationale Parlaments-Stipendium (IPS). Das Programm existiert seit 1986. Mehr als 2.000 Stipendiaten haben bereits das Herzstück des deutschen Parlamentarismus kennengelernt. Aus 41 Nationen stammen die Teilnehmer des Regelprogrammes inzwischen, darunter die USA, europäische Länder und seit diesem Jahr auch arabische Staaten. Das Programm ist herausfordernd. Von Anfang März bis Ende Juli bekommen die Stipendiaten nicht nur von den politischen Stiftungen und den drei Berliner Universitäten Programm geboten, sondern arbeiten auch für drei Monate in Vollzeit in den Büros der Abgeordneten mit.

Damit sie aber soweit kommen, müssen die Teilnehmer ein zweistufiges Bewerbungsverfahren durchlaufen. Rund 700 Bewerbungen gibt es jedes Jahr, nicht jeder bekommt einen Platz. Nach einer ersten Auswahl durch die örtlichen deutschen Botschaften brechen ausgewählte Abgeordnete des Bundestages zu einer Reise auf und übernehmen die finale Bewerberauswahl in den Ländern. So auch Klaus-Peter Flosbach. Der Christdemokrat, Direktkandidat aus dem Oberbergischen Kreis im Süden Nordrhein-Westfalens, ist einer der Berichterstatter für das IPS-Programm. Ihm gefalle der Ansatz der Vernetzung von jungen Leuten ganz unterschiedlicher kultureller und sprachlicher Hintergründe und die klare Mission des Programms. "Unser Ziel ist es, den Stipendiaten unsere Demokratie, unser Parlament, unser Grundgesetz zu vermitteln", sagt der 63-Jährige.

Nachdem Flosbach vergangenes Jahr in Armenien und Georgien die Auswahl übernahm, führte er in diesem Jahr 21 Bewerbungsgespräche in Ungarn und der Slowakei. "Wenn man zu so einer Reise aufbricht, muss man sich schon sehr intensiv mit dem Land und dessen Politik auseinandersetzen", berichtet Flosbach. Denn in den Gesprächen gehe es auch um die aktuelle Lage im jeweiligen Land, schließlich würden potenzielle Teilnehmer in Deutschland auch als Botschafter ihrer Länder fungieren. Neben Sprachkenntnissen, der Motivation und dem persönlichen Auftritt interessiert sich die Auswahlkommission, in der auch Vertreter der Universitäten, Botschaften und der Bundestagsverwaltung sowie ein IPS-Alumnus sitzen, auch für die Kenntnisse der Bewerber über die politische Lage in Deutschland. "Wir fragen, was aktuell die großen Themen sind", berichtet Flosbach. Die Antwort war in diesem Jahr einhellig: Flüchtlinge.

Das Thema spielte aber nicht nur bei den Bewerbungsgesprächen eine wichtige Rolle. Teil der Auswahlreisen sind auch Treffen mit den jeweiligen Parlamentspräsidenten und Parlamentariergruppen, ein Austausch unter Kollegen. "Wir habe ausschließlich über das Thema Flüchtlinge gesprochen", erinnert sich der Christdemokrat. Der deutsche Ansatz in der Flüchtlingspolitik sei dabei auf wenig Gegenliebe in den beiden Ländern gestoßen. "Wir haben da sehr unterschiedliche Standpunkte", sagt Flosbach.

Am letzten Tag der fünftägigen Reise wurde dann entschieden: Neun der 21 Bewerber werden im kommenden März in Berlin ihr Stipendium antreten. Große Schwierigkeiten bei der Auswahl habe die Kommission nicht gehabt, berichtet der Christdemokrat. "Wir waren uns immer sehr schnell einig."Sören Christian Reimer

Aus Politik und Zeitgeschichte

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