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EU-PARLAMENT
Johanna Metz
Für den freien Gedanken

Sacharow-Preis für Blogger Raif Badawi

Sein Fall hat weltweit Proteste ausgelöst: Weil er in kritischen Kommentaren unter anderem die Trennung von Staat und Religion vorgeschlagen hatte, wurde der saudische Blogger Raif Badawi 2014 zu zehn Jahren Haft und tausend Stockhieben verurteilt. Im Januar 2015 wurde der 31-Jährige erstmals öffentlicht ausgepeitscht, weitere Stockhiebe wurden seither immer wieder verschoben - offiziell aus gesundheitlichen Gründen.

Nun hat das Europäische Parlament den Einsatz des Bloggers für Meinungsfreiheit und religiöse Toleranz in seinem Land gewürdigt. In der vergangenen Woche erhielt Badawi den Sacharow-Preis "für die geistige Freiheit". Seine Ehefrau Ensaf Haidar, die mit den drei Kindern im kanadischen Exil lebt, nahm die Ehrung in Straßburg entgegen. Badawi selbst befindet sich derzeit im Gefängnis im Hungerstreik.

In ihrer Dankesrede erklärte Haidar, freie und aufgeklärte Ideen werden gemäß der Ideologie, die in den arabischen Gesellschaften vorherrsche, als blasphemisch angesehen. "Jeder freie Gedanke ist dekadent und eine Abkehr vom richtigen Weg."

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) bezeichnete Badawi als eine Symbolfigur und Inspiration für all jene, die sich weltweit für die Grundrechte einsetzten. König Salman von Saudi-Arabien forderte er erneut auf, den Blogger zu begnadigen und sofort freizulassen. Außerdem solle das Regime die "systematische Unterdrückung von friedlichen Meinungsäußerungen" beenden.

Der Menschenrechtspreis des EU-Parlaments ist nach dem russischen Dissidenten und Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow (1921-1989) benannt. Er wird seit 1988 jährlich an Personen vergeben, die sich in besonderer Weise für Menschenrechte eingesetzt haben.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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