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WestafriKA
Alexander Heinrich
Vorsichtiger Optimismus

Zahl der Ebola-Neuinfektionen sinkt

Der Sonderbeauftragte der Bundesregierung für den Kampf gegen Ebola-Epidemie, Walter Lindner, sieht „Licht am Ende des Tunnels“ bei der Eindämmung der hochansteckenden Infektionskrankheit in Westafrika. Die Zahl der Neuinfektionen sei in Guinea, Liberia und Sierra Leone auf insgesamt unter
100 Fälle pro Woche gesunken, während es noch vor wenigen Wochen 350 gewesen seien, sagte Lindner vergangene Woche im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. „Vor uns liegt der holprige Weg der letzten Meilen, um von Hundert auf Null zu kommen.“ Aufgabe sei nun, den Übergang von der humanitären Hilfe zum Wiederaufbau einzuleiten. Außerdem werde es darum gehen, im Rahmen der UN, der WHO, der EU und auch auf nationaler Ebene die Lehren aus der spät angelaufenen Hilfe zu ziehen und über künftige Frühwarnsysteme und Koordinierungsmodelle zu diskutieren.

Trotz vorsichtig optimistischer Berichte aus Westafrika wollte Ralf Südhoff vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (World Food Programme, WFP) noch keine Entwarnung geben. Die Zahl der Neuinfektionen sei rückläufig, doch das heiße zunächst nur, dass sich die Epidemie langsamer ausbreite als bisher, sagte Südhoff im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. „Ebola wurde lange verkannt, jetzt geht es darum, die Krankheit nicht zu schnell zu vergessen.“ Die internationalen Hilfen seien spät angelaufen, hätten aber gewirkt. Westafrika drohe keine Hungerkatastrophe, allerdings eine aus nicht eingebrachten Ernten und dem Anstieg der Lebensmittelpreise resultierende Hungerkrise. Bereits heute seien rund 200.000 Menschen in Westafrika infolge von Ebola auf Ernährungshilfe angewiesen, bis März könnte diese Zahl auf rund eine Million ansteigen.

Martin Kollmann von der Christoffel-Blindenmission lenkte den Blick auf die sogenannten „vernachlässigten Krankheiten“, denen – obgleich behandelbar – jährlich rund 500.000 Menschen zum Opfer fallen würden. Ebola, wenngleich nicht auf der WHO-Liste der „vernachlässigten Krankheiten“, zeige, dass solche Infektionskrankheiten eine „dramatische Dimension“ annehmen könnten. Der Schlüssel zur Vermeidung solcher Epidemien liege in der Bekämpfung von Armut und Hunger, im Auf- und Ausbau der medizinischen Versorgung, aber auch im Zugang zu sauberen Wasser und der Beachtung hygienischer Standards.

Nach den Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO haben sich seit März 2014 bis Ende Januar mehr als 22.000 Menschen mit dem Ebola-Virus infiziert, etwa 8.800 Todesfälle seien zu beklagen. Vergangene Woche kündigte der Internationale Währungsfonds an, Guinea, Liberia und Sierra Leone Schulden im Umfang von knapp 88 Milliarden Euro zu erlassen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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