Inhalt

HAUSHALT
Michael Klein
Vollendung des Kulturforums

Öffentliche Anhörung zum geplanten Museum der Kunst des 20. Jahrhunderts

Der geplante Bau eines Museums für die Kunst des 20. Jahrhunderts auf dem Gelände des Kulturforums an der Potsdamer Straße in Berlin wird von Experten weitgehend begrüßt. Dies wurde bei einer öffentlichen Anhörung des Haushaltsausschusses in der vergangenen Woche deutlich. Der Ausschuss hatte im Verlauf der Etatberatungen 2015 insgesamt 200 Millionen Euro für das Projekt bewilligt.

Kosten unklar „Dieses Museum an dieser Stelle wird eine große Bereicherung für die Kultur Berlins und der Bundesrepublik werden“, sagte die Berliner Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Es sei eine einmalige Chance, dass Kulturforum zu Ende zu bauen. Berlin werde den Bund bei der Realisierung „nach Kräften“ unterstützen. Sowohl auf politischer wie auch fachlicher Ebene sei ein gemeinsames Vorgehen bereits vereinbart. Lüscher hält ein „qualifiziertes Wettbewerbsverfahren“ für diese herausragende und schwierige Aufgabe inmitten eines Ensembles hochkarätiger Solitärbauten für „zwingend“ erforderlich. Damit sich Architekturbüros am Verfahren beteiligen, müsse sichergestellt werden, dass der vom Preisgericht ausgewählte Entwurf zur Umsetzung komme und der Projektverfasser auch in der Ausführung konzeptionell und gestalterisch eine federführende Rolle behalte. Da noch keine Bedarfsplanung vorliege, könne über die Kosten noch nichts gesagt werden.

Auch Katrin Lompscher, Sprecherin für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, sprach sich für einen Neubau an der Potsdamer Straße aus. Der Museumsbau müsse so positioniert und konturiert werden, dass prägende Sichtbeziehungen nicht zerstört und das kompositorische Gefüge nicht beeinträchtigt werden. Die Vorstellung des Bundes, das Museum in öffentlich-privater Partnerschaft (ÖPP) zu errichten, hält sie aber für problematisch. In jedem Fall müsse eine Wirtschaftlichkeitsprüfung durchgeführt werden müsse.

Für den Standort an der Potsdamer Straße sprachen sich auch Thomas Köhler, Direktor der Berlinischen Galerie, und der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Hartwig Fischer, aus. Der Standort stelle eine große Chance für das Kulturforum dar, sagte Köhler. Es sei jedoch nicht unproblematisch, das neue Gebäude in direkter Konfrontation mit der Neuen Nationalgalerie Mies van der Rohes und den Gebäuden Hans Scharouns zu bauen. Das neue Museum ermögliche eine dauerhafte Präsentation der Kunst des 20. Jahrhunderts und bette die Privatsammlungen Marx, Marzona und Pietzsch in die historisch gewachsene öffentliche Sammlung ein. Das Museum der Moderne würde Bestandteil eines neu zu definierenden Museumsquartiers mit Neuer Nationalgalerie, Kupferstichkabinett, Gemäldegalerie und Kunstgewerbemuseum.

Grundstückserwerb Andreas Rahm vom Bundesrechnungshof warnte allerdings, dass derzeit wesentliche rechtliche und projektspezifische Rahmenbedingungen noch nicht geklärt seien. Er empfahl daher, mit Blick auf die Finanzierung eines möglichen ÖPP-Models festzustellen, ob eine Garantie des Bundes notwendig und rechtlich zulässig sei und ob ein Architektenwettbewerb in das ÖPP-Vergabeverfahren integriert oder dem Vergabeverfahren vorgeschaltet werden solle. Vor Eröffnung des Verfahrens müsse der Grundstückserwerb abgeschlossen sein und ein genehmigter Bebauungsplan vorliegen, forderte er in seiner Stellungnahme.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag